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Der große Schwindel

[27.04.2005] In einem Land, in dem Tarnen, Tricksen und Täuschen seitens der regierenden Partei zur Staatsraison erhoben wurde, ist die neueste Enthüllung über ein gefälschtes Buch eigentlich nicht überraschend. Dennoch scheint sie uns erwähnenswert, da es sich um den meist verkauften Businessratgeber Chinas handelt und es Millionen Opfer dieses Schwindels in China selbst gibt.

Dessen Titel lautet Executive Ability . Unter Managern und Geschäftsleuten ist das fünfbändige Konvolut ein Muß, er wurde zwei Millionen Mal offiziell verkauft, steht in allen Universitäten und Bibliotheken, unzählige Raubkopien wurden ebenfalls verkauft. Man könnte ihn als einen neuen Klassiker des Tricksens und Täuschens bezeichnen.
Die Autoren des Buches behaupteten, es sei die Übersetzung eines englischen Originals, geschrieben von einem Harvardprofessor namens Paul Thomas. Dieser Professor existiert jedoch nicht.
Nicht genug damit, die Rückseite des Buches zeigt eine angebliche "Wall Street Journal"- Rezension, in der es heißt:
"Der praktischste und fortschrittlichste Managementgedanke unserer Zeit"
Dieser WSJ-Artikel ist jedoch nie erschienen, er ist auch gefälscht.
In einem Land, in dem falsche Nahrungsmittel und Billigimitate westlicher und japanischer Firmen verbreitet und sogar Tofu aus Schweinefutter und Pharmazieabfällen hergestellt wird, sind falsche Bücher heute Alltagsware.
Es ist also nicht das einzige Schwindelbuch dieser Art, vor allem unter Managementratgebern gibt es unzählige falsche Bücher, geschrieben von Autoren, die nie etwas mit BWL oder einer Firma zu tun hatten. Die meisten von diesen Büchern landen in den Buchhandlungen ganz vorne, ganze Buchhandlungen bestehen fast nur aus solchen Ratgebern.

Noch vor wenigen Jahren bestand der Betrug lediglich darin, Raubkopien von echten Büchern auf der Straße oder in Läden zu verkaufen, erst seit einiger Zeit gingen die Fälscher dazu über, Bücher komplett zu fälschen. Man kopiert einfach Aufsätze aus Magazinen oder Zeitungen und stellt so ein neues Buch zusammen.

Die ersten falschen Bücher dieser Art tauchten vor einigen Jahren als Qigong-Bücher auf, geschrieben von Leuten, die nicht einmal Qigong praktizierten. Diese blieben jedoch in der Öffentlichkeit relativ unentdeckt, und wenn sie im Westen verkauft wurden, wußte sowieso keiner, was auf diesem Gebiet echt und was falsch ist.

Die meisten Falschaussagen über die Bücher betreffen die angeblichen Autoren , bzw. Leseempfehlungen von Berühmtheiten wie Bill Gates, der dieses oder jenes Buch empfohlen habe. Nicht genug damit, selbst Einstein wird unterstellt, bestimmte Bücher empfohlen zu haben, ungeachtet der Tatsache, dass er seit einigen Jahrzehnten tot ist. Aber wer will das schon so genau wissen...?

Der Wirtschaftswissenschaftler und leitende Manager von Beijing Zion Consulting, Jiang Ruxiang, untersuchte Tausend Managementbücher und fand heraus, dass mindestens ein Drittel falsch ist. Er fand sogar seine eigenen Artikel in kopierten Büchern wieder.

Er meinte, dass schlimmste an diesen Büchern sei, dass Tausende Manager falsche Prinzipien lernen und nach ihnen handeln. Als er eine Leserin fragte, was denn bei ihr von einem der Schwindelbücher hängengeblieben sei, sagte sie etwas zögernd: "Man muß halt auf Kleinigkeiten achten."

Aber aufgrund der staatlichen Informationsblockade wissen die meisten Leser nicht, dass so viele falsche Bücher auf dem Markt sind. Werden sie damit konfrontiert, reagieren sie erst einmal mit Unglauben.

Oliver Liu von Chinadotcom aus Hongkong meinte, die meisten Leser glauben, dass die falschen Bücher ihnen die Wahrheit erzählten.
Kern des Problems sei die staatliche Zensur und die Kontrolle über die Buchindustrie. Entgegen den Verlautbarungen Richtung Westen gibt es keinerlei Strafen für falsche oder illegal übersetzte Bücher.
Im Gegenteill, bevor ein Buch gedruckt werden kann, muß es vom Staat eine offizielle Buchregistriernummer erhalten. Auch falsche Bücher erhalten diese Nummer, solange sie keine Kritik an China oder der KP üben. Alle Verlage sind staatseigene Betriebe, sie verkaufen häufig gegen Entgelt diese Registriernummern an Autoren weiter...

Das falsche Managmentbuch brachte den Autoren 8 Mill USD ein. Der Verleger des Buches erklärte er habe von dem Geld nicht einen Pfennig gesehen. Als Mitautor wird ein weißhaariger Professor David Byrne von der Duke University genannt, der aber auch nicht existiert.
Ein anderes Beispiel für falsche Bücher war die Autobiographie von Hillary Clinton.

In der chinesischen Version ( wir berichteten ) wurden chinakritische Passagen vom Übersetzer weggelassen, dafür wurden Passagen eingefügt, die die KP loben. Hillary Clinton verbot daraufhin den Verkauf ihres Buches in China. Natürlich ohne Erfolg.
Als einer der Gründe für die vielen Schwindelbücher wird der Kampf um Leser genannt, der zwischen den staatseigenen Verlagen in einem schwierigen Marktumfeld herrscht. Deswegen sind Bücher, die aus verschiedenen zusammenkopierten Teilen bestehen, bei den Verlagen sehr beliebt, da sie wenig Bearbeitung erfordern.
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