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Armeeeinsatz in Chongqing

[25.10.2005] Immer öfter wird jetzt die Armee bei Protesten eingesetzt, Polizei allein bekommt die Lage nicht in den Griff.



Nachdem die Arbeiter des Spezial-Stahlwerkes in Chongqing mehr als zwei Monate lang in ihrem Protest ausgeharrt hatten, wurde dieser von bewaffneten Armeeangehörigen brutal niedergeschlagen. Dabei wurden zwei Frauen getötet, viele Menschen verletzt und neun Arbeitervertreter festgenommen. Tausende von arbeitslosen Arbeitern blieben ohne Anführer zurück. Es hieß, dass Peking den Befehl gab.

Als sich Am 7. Oktober gegen 7:00 Uhr morgens fast 10.000 Arbeiter versammelt hatten, drangen laut Augenzeugenbericht schätzungsweise 3.000 Polizisten in den Shuangbei-Park ein. Eine Zeit lang wurden die Arbeiter in die Enge getrieben, anschließend begann die Polizei, die Arbeitervertreter zu verhaften. Dann gab es eine heftige Auseinandersetzung, bei der zwei ältere Frauen getötet wurden.

Eine der Frauen war über 70, die andere über 50 Jahre alt. Zu den verhafteten Arbeitervertretern gehören Chen Yingming und Du Lihua.

Ein Zeuge sagte im Internet: “Die Polizisten haben heute wahllos Männer, Frauen, Junge und Alte, gnadenlos verprügelt. Dies sind definitiv keine ‚Polizisten des Volkes’. Die Brutalität der Polizei kann ich überhaupt nicht beschreiben. Was ich gesehen habe, können Sie sich nicht vorstellen. Sie waren einfach grausam, sie verhielten sich wie Banditen!“

“Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass Dutzende von Polizisten eine 60 Jahre alte Frau umzingelten, sie schlugen und traten. Innerhalb von Sekunden fiel sie bewegungslos zu Boden. Und das nur, weil sie auf die Polizei schimpfte. Ich war mir nicht sicher, ob sie tot war oder noch lebte.

Über den Chatroom im Internet erfuhr der Reporter: “Ein sieben oder acht Jahre alter Junge kam mit seiner Großmutter um sich das Geschehen dort anzusehen. Als er sah, dass die Polizei eine Person verprügelte, fragte er seine Großmutter: ‚Warum will der Onkel Polizist andere schlagen?’ Sofort wurde auch er von mehreren Polizisten verprügelt. Ich habe gehört, sein Gesicht war voller Blut und er hat mehrere Zähne verloren.“

Anschließend setzten Tausende von wütenden Arbeitern die Demonstration im Shuangbei-Park fort und beschlossen, am nächsten Morgen um 7:30 Uhr zur Stadthalle zu marschieren.

Ein Insider sagte, diese Aktion sei angeordnet worden, weil es Peking lästig war, seit über zwei Monaten keine Lösung für das Problem des Spezial-Stahlwerkes in Chongqing gefunden zu haben.

Früher war das Chongqing Spezial-Stahlwerk eine große Fabrik auf 4,5 Quadratkilometern mit mehr als 20.000 Mitarbeitern. Es meldete im Juli dieses Jahres Konkurs an, doch die Zahlung der Abfindungssummen verlief nicht ordnungsgemäß. Bevor der Konkurs angemeldet wurde, baute die Fabrik ein neues Unternehmen auf, die Donghua Company, die das Vermögen und die Anlagen des Chongqing Spezial-Stahlwerkes übernahm. Die Arbeiter vermuteten Betrug.

Die Probleme der arbeitslosen Belegschaft bei der Abfindungszahlung, der Krankenversicherung, der Arbeitslosenunterstützung, der Altersversorgung etc., blieben  alle ungelöst. Die Arbeiter verlangten, die Gründe für den Konkurs des Stahlwerkes zu erfahren. Die Niederschlagung des Protestes erfolgte am Tag vor dem 16. Kongress des 5. Plenums der Kommunistischen Partei Chinas (KPC), der eine Nacht vor der Eröffnung des fünften asiatisch - pazifischen Bürgermeister - Gipfeltreffens in der Stadt Chongqing stattfand. Laut Berichten waren nicht weniger als 123 in- und ausländische Presse-Agenturen bei der  Sitzung Bürgermeister-Gipfeltreffens präsent, mit etwa 455 Reportern - mehr als jemals zuvor. Vermutlich werden die ausländischen Medien die  Entwicklung im Stahlwerk nicht aus den Augen verlieren.


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