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Studenten protestieren

[03.07.2006] Obwohl die Fußballweltmeisterschaft mit dem Ende der Semesterprüfungen zusammenfällt, beherrscht die WM auch die Gedanken vieler Studenten in China. In der Universität Sichuan in der Stadt Chengdu beteiligten sich über 9.000 Studenten an einem Protest gegen die Maßnahme der Univeritätsleitung, nach Mitternacht den Strom abzustellen.


Aufgrund der Zeitverschiebung müssen die Chinesen nachts Strom haben, wenn sie die WM-Spiele live sehen wollen. Einem Bericht der Oriental Sun aus Hongkong zufolge trommelten die Fußballfans der Universität Sichuan jede Nacht auf Schüsseln und Töpfen herum, um auf diese Weise ihrer Forderung nach nächtlichem Strom Nachdruck zu verleihen.

Am frühen Morgen des 12. Juni begannen Studenten aus über 10 Wohngebäuden Bierflaschen, Holzschüsseln und Töpfe zu werfen. Sie ließen Computer und Mopeds in Flammen aufgehen. Ein Student schätzte, dass an den Protesten etwa 9.000 Menschen teilnahmen, es seien auch mehrere Hausmeister verletzt worden.

Ein Student sagte, dass Kommilitonen während der Nacht in einem Wohnkomplex Parolen riefen und mit den Gegenständen warfen, die ihnen gerade unter die Finger kamen. Die Universität habe ein Dutzend Sicherheitsbeamte geschickt, die aber nicht wagten, sich direkt an den Ort des Geschehens zu begeben.

Am 16. Juni gab die Universität nach, öffnete die Mensa über Nacht und belieferte sie mit Strom, damit die Studenten die WM am Bildschirm verfolgen können.

Noch mehr Studentenproteste


Nicht allein die restriktive Einstellung der Universitätsleitungen gegenüber der WM führt bei chinesischen Studenten zu Unmutskundgebungen. Am 19. Juni 2006 berichtete die Nachrichtenagentur AFP aus Peking, dass Augenzeugen zufolge etwa 7.000 Studenten am Donnerstag aus Protest Teile des Unigeländes in der Stadt Zhengzhou in der Provinz Henan verwüsteten. Die Nachrichtenagentur zitierte einen Studenten, nach dessen Aussage die Studenten nach ihrem Abschluss von der Universität kein Abschluss-Diplom mehr erhalten, sondern lediglich das Zertifikat einer weniger angesehenen Institution. "Sie behandeln uns schon seit Jahren schlecht, aber jetzt konnten wir es nicht länger ertragen." Die staatlich kontrollierten chinesischen Medien hüllen sich zu diesen Vorwürfen bisher in Schweigen.

Die Machthaber des kommunistischen Regimes in China werden bei Protesten der Studenten sehr schnell nervös, denn sie haben 1989 noch in guter Erinnerung. Damals diskutierten und protestierten Tausende von Studenten auf dem Tiananmen-Platz über mehr Demokratie für das chinesische Volk. Im Juni 1989 wurde die Demokratiebewegung mit einem blutigen Massaker durch das Militär jäh beendet. Nach offiziellen Angaben waren Hunderte, nach inoffiziellen Angaben sogar Tausende von Menschen vom Militär getötet worden. Die Studenten von damals traten für einen Systemwechsel ein. Das war ein weit umfassenderes Ziel als das, wofür die Studenten in Zhengzhou und Chengdu sich jetzt stark machten. Dennoch reagieren die Machthaber in China auf Studentenunruhen besonders empfindlich, weil sie fürchten, dass diese schnell ähnliche Ausmaße annehmen könnten wie 1989.
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