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Kulturelle Hintergründe des Kannibalismus in China

[15.09.2006] "Chinas Kultur mag auf dem Papier noch so zivilisiert aussehen, im Fleische ist sie barbarisch, und um das wirklich eindrucksvoll auf den Punkt zu bringen, benutzen chinesische Kulturkritiker von Li Ruzhen über Liang Qichao zu Lu Xun, Bo Yang und Zheng Yi immer wieder ein und dieselbe Formulierung: China ist eine chiren de wenhua, eine Kultur von Menschenfressern...." (Zitat)

Der ganze Artikel über eine Vorlesung der sinologischen Fakultät der Universität Heidelberg ist hier zu lesen.
Insbesondere die Buchempfehlungen sind für die von Interessse, die sich näher mit dem Thema beschäftigen wollen.
Den unzähligen, aufgrund des Kannibalismus-Artikels, bei uns eingegangenen Zuschriften nach zu urteilen, gibt es offensichtlich sehr viele Menschen hierzulande, die mehr über die Hintergründe dieser abartigen Erscheinung wissen wollen, und warum sie in China so häufig vorkommt.
Generell muß man aber sagen, dass erst zur Zeit der KP der Kannibalismus wirklich flächendeckend in Erscheinung getreten ist und zu verschiedenen Zeiten ausgebrochen ist. Vor der KP war Kannibalismus durchaus gesellschaftlich geächtet und als schlecht erkannt.
Herausragendstes Beispiel von Kannibalismus in der Geschichte ist die Erzählung "Reise gen Westen" 西遊記, einer der meistverfilmten Klassiker der chinesischen Literatur, geschrieben von Wu Cheng'en während der Ming-Dynastie, einer der vier klassischen Romane Chinas. Der darin vorkommende "Affenkönig" Sun Wukong ist einer der bekanntesten mythischen Kreaturen Chinas und Japans. Weitere Begleiter des Xuanzang sind Sha Wujing bzw. Sha Gojo, ein Wasserdämon bzw. Halbdämon und Zhu Bajie ein Mensch, der zu einem schweineartigen Dämon wurde, nach dem er 1000 solcher getötet hatte. Der Roman behandelt den Weg eines Kultivierenden und enthält viele tiefgründige, innere Weisheiten, verbunden mit chinesischen Themen des Buddhismus und Daoismus, und erzählt im Speziellen von der Reise eines Mönches zum westlichen Himmel, im heutigen Indien, von wo er Buddhas heiliges FA (Gebot) nach China bringen soll. In dieser Geschichte muß der Mönch unzählige Prüfungen und Verfolgungen auf sich nehmen, um China das buddhistische FA zu bringen. Wo immer er auch hinkommt, ist es das oberste Ziel seiner Widersacher (Dämonen und Teufel etc.) ihn zu töten, zu braten und sein Fleisch zu essen. Da er Kultivierender ist, versprechen sich die Dämonen von seinem Fleisch das ewige Leben... Manche Verhaltensmuster halten sich eben zäh.
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