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Poesie aus der Tang- Dynastie "Endloses Ersehnen (I)"

[15.09.2006] Endlos sehne ich mich danach,
in Chang’an* zu sein.


Endloses Ersehnen (I)
Endlos sehne ich mich danach,
in Chang’an* zu sein.
Insekten summen im Herbst an der goldnen Quelle.
Ein feiner Frost glitzert wie kleine Spiegel auf meiner kalten Matte,
die hohe Laterne flackert, und tiefer wird meine Sehnsucht.
Ich hebe den Schatten und,
seufzend schaue ich zum Mond,
Einzeln wie eine Blume, eingefasst von den Wolken
Droben sehe ich das Blau und die Tiefe des Himmels
Drunten sehe ich das Grün und die Rastlosigkeit des Wassers
Der Himmel ist hoch, die Erde weit, zwischen ihnen schwebt bitter mein Kummer
Kann ich durch das Tor träumen, über den Berg?
Endloses Ersehnen
zerbricht mein Herz.



* Chang’an war zur Zeit der Tang- Dynastie die Hauptstadt Chinas, diese Region ist heute als Xi`An bekannt.

Der Autor dieses Gedichts Li Bai ist einer der bekanntesten Poeten Chinas, er lebte zur Zeit der Tang- Dynastie die berühmt war für die Offenheit, Religionsfreiheit und den daraus resultierenden geistigen und materiellen Reichtum der Bevölkerung. In dieser Zeit wurde wahrscheinlich die erste buddhistische Sutra eingeführt und die Lehre gedieh unter dem Schutz der jeweiligen Kaiser und auch der Kaiserin Wu Zetian. Li Bais Gedichte handeln oft von sehnsüchtigen Themen, aber er scheint sich nie nach dem Irdischen zu sehnen, sondern benutzt (wie viele seiner Kollegen zu dieser Zeit) die irdischen Metaphern um seine Sehnsucht nach dem Paradies auszudrücken an das er fest glaubte. Aus diesem Glauben heraus kamen seine Inspirationen Visionen zeitloser Schönheit im Geist seiner Leser entstehen zu lassen.

Quellenangaben:
Li Bai’s ENDLESS YEARNING (I) and ENDLESS YEARNING (II)
http://etext.lib.virginia.edu


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