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Chinas Turm von Babylon wurde vernichtet

[09.02.2009] Der Himmel schickte vor der bevorstehenden Vernichtung der üblen KPC und aller ihrer Helfer in Ost und West ein erneutes Signal und Omen an die Welt: Der Hotelkomplex bei Chinas Propagandahauptquartier wird durch Brand vernichtet. Zhu Rong, ( 祝融 ) der Gott des Feuers, erfüllte auf seinem Tiger reitend, seinen himmlischen Auftrag und schickte eine Dürre über Chinas Zentralprovinzen und entflammte einen Turm des neuen Babylon, um das Ende der Roten Dynastie einzuleiten. In alter Zeit gingen Dynastiewechseln immer himmlische Erscheinungen voraus, die Chinas Weise, aber auch das einfache Volk richtig zu deuten wussten. Natürlich handelt es sich bei dieser Sache nicht um einen einfachen Dynastiewechsel, sondern um den grundlegenden Beginn einer neuen Epoche.

Himmlisches Signal


   
Aus aktuellem Anlass ein Insiderbericht über CCTV:


Von Joan Maltese, San Diego
(ehemalige Mitarbeiterin bei CCTV-9 )

Es ist das Ende der „Friedhofsschicht„ in einer Nachrichtenredaktion in Peking. Alte ausgewaschene Teegläser stehen zwischen den Computerterminals und sehen aus wie ein biologisches Experiment.


Der Ahnherr aller Propaganda

Als Auslandsexpertin vom Dienst bei China Central Televisions englischsprachigem Nachrichtenkanal schneide ich die Schlagzeilen für die 8 Uhr Sendung zusammen, die vom Direktor und Produzenten vorsichtig ausgesucht und sortiert wurden. Was mich angeht, ich bin versiert in der aufgeblasenen Sprache, die der Zensor fordern wird. Dementsprechend schreibe ich:

·Der Generalsekretär der Chinesischen Kommunistischen Partei, Hu Jintao, hält eine wichtige Rede, wie man weiterhin mit der Landwirtschaft eine rundum reiche Gesellschaft aufbaut.

·Der Vorsitzende der Volkskonferenz, Li Ruihuan, sagt, dass Macao soziale Stabilität erlebt und seit seiner Rückkehr zum Festland seinen wirtschaftlichen Aufschwung aufrechterhalten hat.

·Bei Flugzeugabstürzen in der Türkei und den USA kommen 96 Menschen ums Leben.

·Das kommt um 8 Uhr. Ich klicke auf den �Senden�- Knopf und mache einen Spaziergang durch die stillen Gänge und Zellen der CCTV-9 Nachrichtenbüros und versuche die 50 Prozent der Mitarbeiter nicht zu stören, die hörbar schlafen.

Dies ist das Hauptquartier eines nationalen Nachrichtendienstes, der Millionen Haushalte in China erreicht, über Satellit in Großbritannien und Frankreich und über Fox Channel in vielen Städten in den Vereinigten Staaten gesehen werden kann. Der Vertrag mit Fox brachte viele Veränderungen, wie etwa die Erweiterung auf die 24-stündige Sendezeit, weil dies eine hoffnungsträchtige Speerspitze im globalen Medienmarkt ist. Unser Motto lautet: „Ihr bestes Fenster nach China.„ „Chinas bester Schritt vorwärts„ ist die inoffizielle Strategie.
Sie denken vielleicht, dass dieser Ort laut und geschäftig sein müßte, dass Telefone klingeln sollten, Herausgeber die genauen Einschaltquoten benötigen , Direktoren den Technikern Dampf machen, und dass die Verbindungen für ein Live-Interview funktionieren sollten. Aber nicht bei CCTV-9 - nicht jetzt und auch nicht in der Abendschicht - mit Nord Korea und dem Irak, die beide vor dem Krieg zu stehen scheinen.. .

Mit der Ausnahme einer Handvoll von hauptsächlich euphorischen Reportern und der Propaganda der Regierung kommen unsere Nachrichten alle von Netzdiensten. Zieh es aus dem Computer, mach es passend für die Partei, gib es dem Zensor oder zumindest einem, der rund um die Uhr da ist. Es gibt keine Kommunikation mit entfernten Büros oder Reportern im Ausland, nichts Exklusives, keine Kontakte, keine Aufregungen wegen irgendwelcher Zeitunterschiede, kein Druck. Es ist ein guter Ort, um seinen Schlaf nachzuholen.
China Central Television ist das vom Staat kontrollierte Fernsehprogramm. Es unterliegt der Autorität der Staatsverwaltung von Radio, Film und Fernsehen und "leidet" unter der Aufmerksamkeit des chinesischen Führers.

„Jiang Zemin, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei von China, rief gestern Chinas Massenmedien auf, eine �klangvolle Atmosphäre� für den bevorstehenden Parteikongress zu kreieren,„ begann im August ein Artikel auf der Titelseite der China Daily 2002, dem englischsprachigen Propagandablatt der Regierung. Chinas Medien waren diesem Anruf gegenüber so gehorsam, dass sie, was rivalisierende Organisationen hätten sein sollen , sich gegenseitig halfen. „Chinas führende Zeitung„ begann eine Sendung von CCTV-9 kurz vor dem Kongreß, „die People�s Daily veranstaltet einen redaktionellen Feiertag, auf dem man der Eröffnung des 16. Nationalkongresses der Kommunistischen Partei in Peking zujubelt. Der Leitartikel merkt ebenfalls an, dass der Gedanke Jiang Zemins über „Drei Repräsentanten„, grundlegende Antworten auf wichtige Fragen gibt.„
.( Ja, Sie haben richtig gelesen, „die Drei Repräsentanten„. Ich will Sie nicht mit einer Erklärung dieses Gedankenganges belästigen, aber ich kann Ihnen sagen, dass die KP dies einen Durchbruch marxistischer Ideologie genannt hat, was ihm einen Platz in Chinas politischem Katechismus eingebracht hat. Ebenso ist es mit der Ein Land-Zwei Systeme Politik, den Drei Antis, den Drei Direkten Verbindungen, den Vier Reinigungen, den Fünf Antis, den Fünf Roten Kategorien, den Fünf Schwarzen Kategorien, der stinkenden neunten Kategorie, den Zehn Hauptbeziehungen, den Sechs Punkten der Arbeitsmethoden usw. )



Um eine weitere Ebene des Medieninzestes hinzuzufügen: die Quelle des CCTV-9 Artikels war Xinhua, Chinas amtliche Nachrichtenagentur. (Versucht hier irgendjemand irgendjemanden auf die Schippe zu nehmen? Beobachtet irgendjemand was sein Rivale fabriziert, um die Unwahrheit aufzudecken? Riskiert irgend jemand das Publikum beim Wettkampf um nichts zu verlieren?)
Geht man der Sache weiter auf den Grund, ist es schwer auszumachen, wer für was verantwortlich ist oder wie alles zusammen paßt. Es gibt bei CCTV-9 keinen Dienstplan oder ein Handbuch oder eine Abteilung oder ein Mitteilungsblatt oder ein organisatorisches Diagramm oder Besprechungen für alle oder andere formale Mittel, um den Angestellten klarzumachen, wie die Organisation funktioniert, für die sie arbeiten. Sprachbarrieren in der Nachrichtenredaktion werden im Wesentlichen nicht angesprochen. Veränderungen kommen vom Management wie Blitzschläge herunter. Der Haushaltsplan ist undurchsichtig, obwohl bekannt ist, dass Gehälter für chinesische Fernsehmitarbeiter routinemäßig fünf Monate im Rückstand sind.

Chinas Larry King und das Copyright

Wenn Sie uns nicht über Satellit außerhalb Chinas empfangen können, besuchen Sie www.CCTV-9.com und sehen Sie sich unsere Sendungen an, um eine Vorstellung davon zu bekommen, warum es uns gibt. China hat sich geöffnet und reformiert! Unsere Nachrichtenshow sieht genau wie Ihre im Westen aus! Wir haben tatsächlich Moderatoren, die Kravatten tragen! (Ein anderer Kanal, CCTV-12, hat ein Interviewset, dass dem von Larry King so ähnlich ist, dass es wahrscheinlich Probleme mit dem Copyright geben würde, wüßte man in Amerika davon.)

Die Sache, mit der uns das Management versorgt hat, ist unsere Mission: unseren Arbeitgeber, die Zentralregierung, gut aussehen zu lassen.
Deshalb liefert „Ihr bestes Fenster nach China„ immer eine sonnige Sicht der Dinge. Als ein britischer Tourist bei der Großen Mauer ermordet wurde, wußte CCTV-9 nichts davon. Als die Polizei in Peking alle Internetcafes schloß, bezweifelte unsere Berichterstattung nie die Entscheidung der Partei, dass dies aus Sicherheitsgründen geschah ( Es gab vorher einen "Brand" in einem Pekinger Cafe, woraufhin man Tausende Cafes schloß- Nero läßt grüßen...) .
Als Falun Gong jagende Polizisten in einer Winternacht mein Wohnheim überfielen und Dutzende ausländischer Rucksacktouristen und chinesische Arbeiter unverzüglich auf die Straße setzten, waren die Mitarbeiter von CCTV-9 amüsiert, aber es gab keine Berichterstattung. Als eine Gruppe von Nordkoreanern auf dramatische Weise in die spanische Botschaft in Peking einbrach, was wiederholt auf CNN gezeigt wurde, hörten Sie nie ein Wort von uns darüber.
An diesem Nachmittag im März 2002 ging ich zur spanischen Botschaft und traf auf Pekings kleine Gemeinschaft echter Journalisten. Reuters, CNN, Hongkongs Phoenix, die BBC - jeder war dort, außer „Ihr bestes Fenster nach China„.

Als eine Insiderin eines Unternehmens, die auch als Übersetzerin und Dolmetscherin arbeitete, ein Exposee über Chinas beklagenswert unbeaufsichtigtes und chaotisches Übersetzungs- und Dolmetscherwesen schreiben wollte, wurde sie aufgefordert, es zu vergessen.

„Warum wollen Sie, dass Ausländer von diesem Problem wissen?„

fragten die Verantwortlichen. Die Ironie scheint bei ihnen verloren gegangen zu sein, dass diese Methode, China gut aussehen zu lassen, das Land einfach nur als einen Witz dastehen läßt.
Sie machen also eine besonders ernste Mine, wenn jemand aus ihren Reihen sich weigert, für den Höhepunkt zu sorgen. Wir hatten eine außergewöhnlich begabte Wirtschaftsreporterin, die ständig fragte: „Aber was reformiert China? Kümmert euch nicht um all das Eigenlob, das wir selbst aufhäufen, wie sind wir überhaupt in dieses Loch gekommen?„

Als sie schließlich bei CCTV-9 frustriert ihre Arbeit für einen berühmten globalen Pressedienst aufgab, setzte sich ein Produzent zu ihr und drohte ihr die Karriere zu ruinieren, indem er jeden Beamten und jede zuständige Person informieren würde, die sie jemals als eine Quelle brauchen könnte, dass sie unzuverlässig sei und man sich nicht mit ihr abgeben sollte. Als sie sich dadurch nicht bewegen ließ, bekam sie die Verabschiedung eines "Stars". Mehrere hochrangige Beamte schrieben rufschädigende Dinge in ihre Akte und "veranlaßten" sie dann, ein ganzes Jahresgehalt zurück zu zahlen.
Aber es ist natürlich nur so, dass CCTV-9 sie unter ihren Fittichen haben wollte, statt sie jemand anderem zu überlassen. Sie studieren die ausländische Presse, und sie wissen, was geschieht, wenn Journalisten einfach so gehen.

· „Der Einfluss des Aufstiegs - Chinas Militär„, Ellis Joffe, 9.10.2002
· „Annan: China muss die Verbreitung von AIDS in Zaum halten„, Martin Fackler, 10.10.2002
· „Die 13 jährige Freiheitsstrafe von Tiananmen „Schwarze Hand„ Chen ist vorüber„, 10.10.2002
· „Freiheiten angezweifelt: Hongkong„, Mike Jendrzejczyk, 11.10.2002
· „China wechselt die Wache: Ein weiterer finsterer Führungswechsel lässt die Welt im Unklaren„, Melinda Liu und William Dobson, 12.10.2002
· „Flut von gefälschten Diplomen in China„, Ted Plafker, 15.10.2002

Obige Artikel erschienen in einem wöchentlichen Gutachten vom 15. Oktober 2002 über Chinas Berichterstattung in der ausländischer Presse. Es kursiert unter den Produzenten von CCTV-9 und hat seinen Ursprung wahrscheinlich im Außenministerium. Das Gutachten ist umfassend und schließt neutrale Berichte über Geschäft, Sport und Kultur ein.

Niemand, dem ich dieses Gutachten zeigte, wußte genau, wie es bei CCTV-9 verwendet wird, aber es ist offensichtlich, dass das Management in der Schleife der staatlichen Überwachung ausländischer Journalisten steckt. Nicht eine dieser Geschichten wurde jemals von CCTV-9 gesendet. Wenn wir eine Sendung über einen deftigen Leckerbissen aus dem Ausland machen wollen, machen wir das so:

„Premier Zhu besuchte einen Ökobauernhof in Salzburg, 140 Meilen westlich von Wien. Der Bauernhof hat eine Fläche von 38 Morgen, halb Graslandschaft, halb Wald. Hauptsächlich Produkte aus Schafsmilch werden vom landwirtschaftlichen Betrieb hergestellt."


China kontrolliert seine Bevölkerung, indem es sie in Unwissenheit läßt


Es ist keine Überraschung, dass unsere Verfasser nicht wissen, was eine Story ist. Es gibt sehr wenige Chinesen die das wissen, dank Chinas vier Jahrzehnte dauerndem Rückzug der Intellektuellen nach 1949.

Die meisten unserer Verfasser sind in den 20ern und haben keine journalistische Ausbildung oder Erfahrung. Aber CCTV-9 bietet neu Eingestellten keine Ausbildung und belohnt auch Mitarbeiter nicht, wenn sie sich selbst weiterbilden. Neu eingestellte chinesische Mitarbeiter absolvieren einen Englischtest, bei dem sie "drei Sätze laut vorlesen" müssen. Danach fangen sie als an den Schreibtisch gefesselte Verfasser von Texten an. Auf diese Weise können sie Direktor, Moderator oder Reporter werden. Die dritte und letzte Sprosse auf der Karriereleiter ist die Position des Produzenten oder Zensors.

Die Mitgliedschaft in der KP ist hoch begehrt und schwer zu gewinnen, ist aber für den Aufstieg sehr hilfreich. Der Chefsessel ist wie der Olymp und ist nur von etablierten Parteimitgliedern besetzt, die ihren Status durch bloße Langlebigkeit bekommen haben.

Laut einem Gespräch mit einem Berater, der CCTV-9 beim Wettkampf auf dem globalen Medienmarkt hilft, sind diejenigen, die auf dem „Olymp„ sind, unser größtes Hindernis auf dem Weg zu Veränderungen. Mit praktisch keiner Erfahrung als Korrespondenten, keiner Anwesenheit in der Nachrichtenredaktion und keinen Pflichten in der Produktion außer ihren „Produzenten„-Titeln, haben sie keinerlei Erfahrungsschatz oder Referenzen professioneller Karriere . Sie haben keine Stellung in der Gemeinschaft als Professionelle oder Erfolgreiche und haben kein Renommee außerhalb von CCTV-9.

Sie funktionieren hauptsächlich als Filteranlage, überprüfen Band für Band jeder Sendung und nehmen an endlosen Besprechungen teil, bei denen sie der Richtung höherer Kader folgen und alles an die Mitarbeiter der Nachrichtenredaktion weiterleiten.
Man sagt, dass sie ihre Arbeit hassen. Einer von ihnen bemerkte traurig, als die Journalistin für Wirtschaftsangelegenheiten ihre Arbeit niederlegte, dass keine weltweite Nachrichtenorganisation jemals nach ihm suchen würde ; ich jedoch glaube,in einer wirklichen Nachrichtenredaktion wäre er verloren.

So auffällig, wie diese Leute in der Hierarchie auch sind, sie haben keinerlei grundlegende Führungsfähigkeiten. Sie kennen kein System, um Qualität zu belohnen, kein Programm, um Talent zu erkennen oder zu kultivieren, haben keine Kanäle, um durch Meckern Dampf abzulassen oder Informationen zu verbreiten und keine Kenntnisse in der Überwindung der Sprachbarriere zwischen Technikern und der Redaktion.

Das Team, das alles in Form bringt, kann man auch vergessen. Es gibt keine regelmäßigen Besprechungen, bis auf zwei Ausnahmen, zu denen ich noch komme. Als ich gerade eingestellt wurde, fragte ich den informell gewählten Leiter der Auslandsexperten, warum sich unsere Gruppe nicht zumindest einmal im Monat treffen könnte. Er erklärte, dass das Management dies als „Organisation„ betrachten würde, etwas, das in einem Land verboten sei, dessen politische Philosophie sich auf den Rechten der Arbeiter gründet. Demnach sind Beratungen über Storys, Brainstormingsitzungen, redaktionelle Überprüfungen und Gott weiß was sonst noch in einer wirklichen Nachrichtenorganisation abläuft, nicht existent.

Eine andere Lücke in diesem Bild ist unser Publikum. CCTV-9 hat keine Gemeinschaft von Produzenten und Konsumenten geschaffen. Ich bin auf (kritische) Rückmeldungen in der chinesischen und westlichen Presse gestoßen, was aber nie erörtert wurde.

Weil wir alles vom Staat bekommen, kümmern wir uns nicht um finanzielle Angelegenheiten wie Erlöse aus der Werbung und Marketinggutachten. Und weil wir unsere Hausaufgaben in dieser Hinsicht nicht gemacht haben, laufen wir unter der vagen Annahme, dass die meisten unserer Zuschauer Ausländer sind, die in China leben und Chinesen, die ihr Englisch verbessern wollen. Von den Zuschauern außerhalb Chinas wird pauschal angenommen, dass sie „reich und gebildet„ sind, weil sie ja schließlich Satellitenfernsehen haben.

Wo Unkenntnis Glück ist

Mit so begrenzten Einsätzen und einem Fortschritt, der nicht im Verhältnis zur Ausführung steht, sind Unkenntnis und Inkompetenz bei CCTV-9 kein Thema. Wenn jemand chinesische Mitarbeiter danach fragt, eine mehrdeutige Sache in einer Story aufzuklären, ist die sofortige und endgültige Antwort typischerweise „Weiß ich nicht.„
Wir gehen den Storys nicht nach. Wir tätigen keine Anrufe. Wir führen keine Akten oder Verzeichnisse von Geschäftsleuten oder politischen Führern. Wir unterstützen keine Online-Informationsdienste außer dem Netz. Es gibt eine fehlerhafte Datenbank unserer Nachrichtenschriften, die einige Monate zurückreicht und ein Zimmer, wo Kassetten mit den Abendsendungen des laufenden Jahres gelagert werden. Es gibt aber keinen Suchkatalog, Ausdruck oder elektronisch gespeicherte Aufzeichnungen unseres Filmmaterials.
Kontakte, eine Präsenzbibliothek oder eine interne Datenbank fehlen. Wenn wir Antworten brauchen, gehen wir ins Internet. Weil wir keine Technologie haben, die staatliche Internetzensur zu umgehen, müssen wir manchmal ohne Antworten auskommen.

Es ist wirklich schlecht, dass die Webseite von Voice of America blockiert ist, da wir keine Anleitung für fremde Aussprachen haben, ausgenommen BBC und CNN, die wir in der Nachrichtenredaktion anschauen.
(Ich sehe unseren Zugang zu diesen Sendungen als die beste Vergünstigung des Jobs an, weil dies in China ein intellektueller Luxus ist, der außerhalb von Fünf-Sterne- Hotels und teuren Wohnungen, die traditionell von Ausländern bewohnt werden, nicht existiert.)

Unsere Wirtschaft und Finanzabteilungen sind besonders unfähig. Fast niemand, der bei unserem „Biz China„Programm mitarbeitet, hat besondere Sachkenntnisse in Geschäftsangelegenheiten oder Wirtschaftswissenschaften.
Ich versuchte einen Artikel zu bearbeiten, der sich auf chinesisches Landeigentum bezieht und mich sehr verwirrte. „Ist Landeigentum in China legal?„ frage ich die Verfasserin. Sie starrte mich verwirrt an. Ich wiederhole die Frage und stellte sie sogar noch einfacher, bekam aber als Antwort von ihr immer noch einen ängstlich starren Blick. Ich weiß nicht, ob diese 19-jährige Schreiberin die Antwort nur nicht kennt oder ob sie nicht weiß, was „Landeigentum„ bedeutet.

Schließlich beendete der Zensor die Verwirrung, indem er mir befahl, den Satz zu streichen. Ich stand einem Artikel gegenüber, der von einem Skandal um Hausversteigerungen handelt. Der Artikel schließt mit den Worten:
„Christie konnte entkommen, weil sie die erste war, die eine entscheidende Aussage machte.„ Ich wollte lediglich wissen, wem Christie entkommen ist: einer Beschuldigung, Anklage, Geldstrafe? Als ich die Schreiberin danach fragte, antwortete sie verwirrt: „Es heißt, Christie ist entkommen. Aus dem Land geflüchtet.„ Ich schaute mir ihre Kopie aus dem Netz an und kam so an die Fakten. Ich bin ein zu nüchterner Mensch, um den Moderator bei der Sendung sagen zu lassen, dass „jemand eine Geldstrafe erhielt, aber Christie aus dem Land flüchten konnte.„


Die Situation änderte sich etwas während des Irak Kriegs, als mehr Leute zugeschaltet hatten und die Leitung bemerkte, dass wir unser Image verbessern sollten. Ein leitender Produzent stürzte atemlos in die Nachrichtenredaktion und kündigte an, dass wir das Wort „Coalition Forces„ nicht mehr bei Bezug auf die britischen, australischen und US-Mächte verwenden konnten. Er hatte gerade ein Telefonat mit „einem Ausländer„ geführt - nach Ausweis, Beruf und Muttersprache des Ausländers wurde nicht gefragt - der sich beschwert hatte, dass „Koalition„ für ihn persönlich eine große Anzahl verbündeter Länder bedeute, und dass „Alliierte„ ein besserer Ausdruck sei. Das war alles. Mehr benötigte es nicht, um eine neue redaktionelle Politik für unsere Irak-Kriegsberichtserstattung zu beginnen.

Es gibt einige Dinge, die Mitarbeiter bei CCTV-9 wissen müssen. Diese werden einmal wöchentlich von einem leitenden Produzenten in einer Besprechung mitgeteilt, an der nur chinesische Mitarbeiter teilnehmen, die nicht gerade Dienst in der Nachrichtenredaktion haben. Auslandsexperten sind ausgeschlossen.

Dort wird einem eingehämmert, China gut dastehen zu lassen. Dort werden „tu das„ und „tu das nicht„ weitergegeben. Dort wird den Mitarbeitern gesagt, was geschützt und was verdeckt werden soll. Es ist ein reiner Vortrag, keine Fragen und Antworten, keine Vorschläge.

Ein chinesischer Verfasser sagte mir, er vermute, dass sich in den Besprechungen bloß das wiederholt, was der Leiter der Besprechung vorher selbst von höheren Beamten zu hören bekommen hatte, die wiederum von noch höheren Beamten instruiert wurden und so weiter und so fort. Die allgemeine Nachricht, die Woche um Woche anklingt, ist, weil wir an Ausländer senden, es nur soviel Propaganda geben soll, dass wir (gerade gut) davonkommen können. Deshalb sollten wir bestimmte Probleme Chinas erörtern und, was ausschlaggebend ist, zeigen, dass China damit umzugehen weiß.

Auf diese Weise wurde die Massenvergiftung in Nanjing als große Besorgnis der Partei dargestellt. „Die Behörden tun alles, was in ihrer Macht steht,„ sie versuchen, „die Opfer der vergifteten Nahrung zu retten.„

„Nachdem sie von diesem Vorfall erfuhren,„ so lautete eine weitere Geschichte, „verlangten die Führer des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und der Staatsrat von dem Jiangsu Provinzkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und von der Provinzregierung, das alles mögliche getan werde, um Leben zu retten. Die Opfer wurden in zehn Krankenhäuser in Nanjing gebracht, wo sich über 500 hochqualifizierte medizinische Spezialisten um sie kümmerten.„

Der Bericht erwähnte jedoch nicht, dass 42 Menschen starben.

Es gibt noch eine andere Besprechung, die nicht so regelmäßig abgehalten wird, sie ist für die Kommunistische Partei bei CCTV-9. An dieser Besprechung nehmen nur die Mitarbeiter teil, die auch Mitglied der Partei sind und die die Dinge viel düsterer betrachten. Das „Tu das„ und das „Tu das nicht„ sind Drohungen. Mitarbeiter, die Fehler gemacht haben, erhalten Geldstrafen oder werden bestraft. Bei besonders üblen Schnitzern kann man aus der Partei gefeuert werden. Die ernsthafteste Strafe ist der Ausschluß aus der Partei, was nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet, sondern auch die Karriere kostet und einen ruiniert.

Während der zweiten Novemberwoche 2002, als die KP den alle fünf Jahre stattfindenden Nationalen Parteikongress (NPK) abhielt, gab es sicherlich keine Schnitzer. Dies ist das chinesische Äquivalent zur Papstwahl, der Hochzeit des Prinzen von Wales oder einer bemannten Mission zum Mars.

Sie können sich vielleicht erinnern, dass im Westen das wochenlange Zelebrieren des NPK, der den jüngsten Führungswechsel in China hervorbrachte, außergewöhnlich für das fehlende Fließen von Blut und nicht sehr außergewöhnlich für seine Sicherheitsbestimmungen genannt wurde. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass Sie sich daran nicht erinnern können. Die westliche Berichterstattung sah hauptsächlich so aus, dass Journalisten auf dem Tiananmen standen und Belangloses in eine Kamera sagten. „Wir wissen wirklich nicht, was da drinnen geschieht...„ hätten sie auch sagen können.

Es ist daher recht schwierig, die Fiebrigkeit und Zwangshandlungen zu erklären, die die chinesischen Medien entflammten und Schreiber, Zensoren, Produzenten und Direktoren von CCTV-9 in helle Aufregung versetzt hatten. Sie eilen hastig hin und her, um noch verschiedene Kleinigkeiten zu verbessern und Ordnung zu schaffen; sie fliegen geradezu zu den Filmsets mit voll aufgedrehter Lautstärke, um ja nichts von der Sendung zu verpassen.

Sie hätten bestimmt gedacht, dass wir eine reale Nachrichtenredaktion wären, jedoch erreichte die Propaganda solche Extreme, dass sie kleinere Revolten unter den Auslandsexperten hervorief und mich veranlasste, mich hin zusetzten und dies alles niederzuschreiben.

Wir reden über eine autoritäre Regierung mit einem Vermächtnis von Millionen von Morden, die behauptet, dass sie immer im Interesse des Hauptteils der Chinesen gehandelt habe. Monate später wird sie die SARS Berichterstattung zensieren, nachdem angeblich alle Vertuschungen ( so sagt man dem dummgläubigen Ausland ) beseitigt sind und es wird ein Informationsnetzwerk über die Krankheit eingerichtet.

Jetzt, während der Parteikongreß seine neue Elite salbt, mit dem Verantwortlichen des Tiananmen Massakers als einem der Kandidaten und einer ungenauen Absicht, 1.3 Milliarden Menschen Hals über Kopf in das jüngste politische Experiment der "drei Repräsentanten" zu zerren, stellen Sie sich die Art von Berichterstattung vor, die dies erfordert.

Während die Welt auf den Kriegsbeginn im Irak wartete, widmete CCTV-9 den ersten Block - nicht die nur die erste Story, sondern den ersten Block - jeder Sendung der „tiefen historischen Bedeutung„, dem „Hauptereignis nicht nur für China, sondern für den Rest der Welt„, diesen „bedeutungsvollen Meilenstein„, der der 16. Nationale Parteikongress der Kommunistischen Partei von China war.

Was war so dringend und bedeutsam? Was war die Story, die so dringend erzählt werden mußte? Nun, dass „interviewte Delegierte sehr hoch von Jiang Zemins Drei Repräsentanten gesprochen hätten„, dass „mit ganzem Herzen dem Wohl des Volkes zu dienen das Ziel der KP sei„, dass Chinesen im Ausland „bemerkten, dass Chinas herrschende Partei, die KP, für ihre unablässigen Versuche zu loben sei, das Land wertvbeständig und wohlhabend zu machen„ und dass „es ein stolzer Moment für viele Chinesen im Ausland war, als Präsident Jiang Zemin zum Podium ging und eine Eröffnungsrede der NPK hielt. Dieses Ereignis hielt sie an den Bildschirmen, ihre Herzen schlugen zusammen mit ihrem Mutterland.„

Wenn Sie nicht von der Bedeutung dieses Treibens begeistert sind, dann gehören Sie einer bedeutungslosen Minderheit an, wie CCTV-9 berichtete, denn „Der Nationalkongress erhielt Gratulationsschreiben von den Führern der Welt, u.a. dem Präsidenten der Ukraine und dem Premierminister der Insel Cook, ebenso von der Volkspartei von Kambodscha, der Arbeiterpartei Neuseelands und anderen großen Parteien aus vielen Ländern der ganzen Welt.„ Darüber hinaus „gab es eine offene Diskussion über Jiang Zemins Bericht und Delegierte sprachen aufgeschlossen und frei.„

Erkennt das Management hier nicht den unbeabsichtigten Humor? Teilen sie keine Gefühle der chinesischen Mitarbeiter, die dieses Zeug schreiben?

Ich half einer chinesischen Schreiberin beim Verfassen einer unserer regelmäßigen Sammlungen ausländischer Berichterstattungen über die NPK. Diese Ernteübung soll zeigen, dass die Außenwelt diesem obskuren und undemokratischen Disziplinarverfahren ihre Bewunderung ausdrückt. Es war wie der alte Witz über den Film , über den der Kritiker sagt:
„Es war nicht mehr wert als ein fünf-Sterne-Schläfchen„ und die Produzenten sagen „Oh, wir bekamen fünf Sterne von einem Kritiker!!!„
Die Schreiberin ließ den Kopf hängen, als wir die Google-Treffer auswerteten. Alle Nachrichten angesehener Pressedienste konzentrierten sich auf Themen, die für unsere Berichterstattung über die NPK und den Führungswechsel verboten waren. Sie wußte, dass es niemand glauben würde, als sie dennoch schrieb:

Associated Press berichtete lebhaft über die Tagungsstätte des Kongresses.

Die Washington Post sagte, dass Jiang Zemin den Kongress eröffnete, indem er bekannt gab, dass die Änderungen der Partei von den Enteignungen wegführen, die in China verschwinden und man sich in Richtung des wachsenden Mittelstandes entwickeln werde.

Eine andere einflussreiche US-Zeitung, die New York Times sagte, dass der neue Parteikongreß eine neue politische und ökonomische Richtung für China einschlüge.
CCTV-9 bringt "shocking news", verglichen mit dem, was beim chinesischsprachigen Nachrichtenkanal CCTV-1 abläuft. Deren Zeug ist für das Inland bestimmt und es ist Propaganda-Hard-Core. Nichts davon ist für den Verstand des ausländischen Publikums geeignet. Jedes Wort, jede Pause, jedes Komma sind in Stein geritztes Heiligtum . Es ist völlig egal, ob es angemessen oder vollständig oder irgendwie logisch ist.

Leider kommt eine Menge der Inhalte von CCTV-1 in die englische Nachrichtenredaktion, weil es 100 Prozent sicher ist. Uns wird befohlen, es zu übersetzen und mittels desselben Videobandes und Tons zu senden. Aber Auslandsexperten versuchen dieses Zeug etwas aufzupolieren und es für die Nachrichten brauchbar zu machen. Sie haben auch noch damit zu kämpfen, dass Namen und Quellen fehlen oder Pläne für neue Regelungen nicht zur Verfügung stehen. Statistiken werden wie Konfetti herumgeworfen, sie haben keinerlei Bedeutung oder Zuordnung.
Und mit Chinas Bevölkerung von 1.3 Milliarden kann man schon gute Zahlen erreichen - die Menge der Handybenutzer, Beträge ausländischer Investitionen - aber es hängt alles an uns bei CCTV-9, die Zahlen in einen bedeutungsvollen Kontext zu setzen, wenn wir wollen. Selbst wenn wir dem wirklich nachgehen wollen, werden wir von der Organisation enttäuscht. Obwohl wir verpflichtet sind, Inhalte von CCTV-1 zu verwenden, können wir ihre Reporter nicht dazu bringen, uns zurückzurufen oder ihre löchrigen Geschichten mit Inhalt zu füllen, auch wenn sie nur sechs Etagen unter uns sind.

Die Dinge verschlechtern sich. CCTV gibt alle Pressenachrichten an CCTV-1, so dass wir vollkommen auf ihre Berichterstattung von wichtigen Ereignissen wie etwa dem Besuch von Präsident Bush oder eine Pressekonferenz der Minister angewiesen sind.

Der Besuch der UN Menschenrechtbeauftragten Mary Robinson im August 2002 war eine Ausnahme. CCTV-9 war dort und behauptete, dass sie mit Chinas Menschenrechtsbericht „zufrieden„ war (westliche Berichterstatter haben das Gegenteilige vernommen). CCTV-1 war überhaupt nicht anwesend und hatte auch kein Wort über ihren Besuch verloren. Den chinesischen Zuschauern braucht nicht gesagt zu werden, dass Menschenrechte in ihrem Land überhaupt ein Problem sind....
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