Aktuelles
Wirtschaft
Politik
Hintergrundbericht
Presseberichte

Menschenrechte
Gerichtsverfahren
Kultur
Gesellschaft
Wissenschaft
Sonstiges
Außergewöhnlich
Weblinks
Impressum

NEWSLETTER

  Back  Sitemap  Chinese  Englisch MITTWOCH 17.1.2018

Interview mit dem Ex-Spion Chen Yonglin

[22.06.2005] ...Das oberflächliche Aussehen der derzeitigen Wirtschaft ist eine Eintagsfliege, eine Fata Morgana, und es ist völlig illusorisch. Es gibt eine weite Kluft zwischen ...

(erschienen in DAJIYUIAN am 13. Juni )

SYDNEY - Chen Yonglin, der sich vor kurzem absetzte von seinem Dienst als Diplomat des chinesischen Konsulates in Sydney, legte zum ersten Mal in der Öffentlichkeit das von der chinesischen kommunistischen Partei in Übersee befindliche weitreichende Spionagenetzwerk offen. Seine Tat inspirierte zwei weitere ehemalige Beamte der KPC, die noch mehr Fakten über die Verfolgung von Dissidenten und Falun Gong-Praktizierenden durch die KPC im Ausland bekannt gaben. EPT führte ein Exklusiv-Interview mit Chen über seine gegenwärtige Situation und seine Sichtweise über die KPC.



Reporter: Sie erschienen auf einer öffentlichen Veranstaltung zum Gedenken an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens und enthüllten das Spionage-Netzwerk der KPC in Australien. Sie und auch Ihre Frau traten über die Epoch Times-Webseite aus der KPC aus. Hat die KPC weitere Schritte unternommen, um Sie und Ihre Familie zu bedrohen?



Chen: Als ich auf der Veranstaltung sprach, brachte mir die Öffentlichkeit weitreichende Unterstützung und Sympathie entgegen. Ich fühlte mich nicht mehr so in Gefahr wie vorher und kam mir im Wesentlichen sicher vor. Dunkelheit schwindet, wenn sie Sonnenlicht ausgesetzt ist. Als die Wahrheit ausgesprochen war, fühlte ich mich viel sicherer. Doch die verruchte Macht der KPC wurde noch nicht weggeräumt, so existiert die Bedrohung immer noch. Außerdem hat sich die australische Regierung noch nicht entschieden, ob sie meinen Asylantrag annimmt, so könnte ich jederzeit nach China zurückgeschickt werden, wo ich dann weiterhin durch die Diktatur der KPC verfolgt würde.



Reporter: Die Handelsbeziehungen zwischen China und Australien sind sehr eng geworden. Die KPC besitzt auch beträchtliche Macht im Ausland. Warum nehmen Sie so ein großes Risiko auf sich, um interne Informationen über die KPC aufzudecken und sich abzusetzen?



Chen: Mein Gewissen zwang mich dazu, diesen Schritt zu machen. Viele Jahre lang wurde ich von Schuldgefühlen geplagt. Mein Gewissen war stumpf und abgenutzt. Wenn ich mit meinen Taten so weitermachen würde, würde ich mich ganz verlieren und vollständig ein Teil dieser Maschine werden. In den letzten sechs Monaten führte das Konsulat „ KPC-Mitglieder-Ausbildungskurse für Fortgeschrittene” durch, in welchen man einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Diese Sitzungen verursachten mir seelische Qualen. Was ich tat, bestand aus der Verfolgung von Befürwortern der Demokratie und Falun Gong-Praktizierenden. Damit handelte ich gegen mein Gewissen und dies führte dazu, dass ich unter schrecklichen Schuldgefühlen litt. Unter diesen Voraussetzungen musste ich hervortreten und aus meinem Schatten herausspringen.



Reporter: Nun warten Sie auf die Entscheidung über ihren Asylantrag. Welche Art von Hilfe brauchen Sie von der Öffentlichkeit?



Chen: Es ist immer noch ungewiss, ob ich in Australien bleiben kann und die Möglichkeit, dass die australische Regierung mich nach China zurückschickt, besteht immer noch. Ich hoffe, dass ich von der Öffentlichkeit weiterhin Unterstützung und Ermutigung erhalte und die Menschen meinen Fall weit verbreiten. Dadurch werde ich mich sicherer fühlen und es wird mir helfen, aus der Dunkelheit herauszukommen.



Reporter: Ich hörte, dass Eltern aus der Schule ihrer Tochter speziell eine Rally veranstalteten, um Sie zu unterstützen. Können Sie uns mehr darüber erzählen?



Chen: Innerhalb der letzten zwei Tage erhielt ich mehrere Unterstützungs-Nachrichten. Eltern und Lehrer aus der Schule meiner Tochter veranstalteten „Familien-Hilfs-” Aktivitäten, um uns zu helfen. Dies zeigt, dass die Hauptströmung der australischen Gesellschaft diesem Fall ihre Aufmerksamkeit schenkt und Hilfe gegen Menschenrechtsverletzungen in China leistet. Hiermit möchte ich ihnen für ihre Hilfe und Unterstützung danken.



Reporter: Sie waren ursprünglich dafür zuständig, sich mit Falun Gong Praktizierenden, demokratischen Aktivisten, Tibetischen Gruppen und taiwanesischen Gruppen im Ausland, etc. zu befassen. Wie haben Sie diese überwacht?



Chen: Unsere Überwachung dient tatsächlich dazu, ihre hier geplanten Aktivitäten, ihre neuen Bewegungen und was sie tun, herauszufinden. Dann konnten wir diese Informationen der KPC berichten und die KPC führte spezielle Gegen-Aktionen durch. Dies ist dasselbe wie die sogenannten „Wie Du mir, so ich Dir”-Kämpfe, die dazu dienen prodemokratische Bewegungen zu unterdrücken, um die eigene Gewaltherrschaft zu schützen. Seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni hatte ich Pro-Demokratische Bewegungen sehr unterstützt. Jetzt unterstütze ich demokratische Bewegungen noch mehr. Ich hoffe, dass China sein politisches System eines Tages grundlegend verändert.



Reporter: Manche Menschen sagen, wenn ein Diplomat die Wahl trifft, ein Überläufer zu werden, wird er als ein Verräter des Landes betrachtet. Wie sehen Sie diese Äußerung?



Chen: Als Diplomat muss ich meinem Land dienen. Aber was ich hier tue, besteht überhaupt nicht darin, die Interessen meiner Nation zu schützen, sondern eher in der Verfolgung von meinen eigenen Leute und mir selbst. Ich wurde in der Tat ein von der KPC ausgenutztes Werkzeug, um meine Landsleute zu verfolgen. Dies ist gegen mein Gewissen. Ich habe mein Land nicht verraten. Was ich verriet, ist eine diktatorische Partei, die schon seit langem von den Menschen auf der ganzen Welt verabscheut wird.



Reporter: Egal wie die KPC von ihren Maßnahmen zur „Aufrechterhaltung der fortgeschrittenen Natur der Partei-Mitglieder” auch Gebrauch macht, haben bereits über zwei Millionen Menschen auf dem Festland China ihren Austritt aus der Kommunistischen Partei Chinas, dem Kommunistischen Jugend-Verband und den Jungen Pionieren erklärt, um sich vollständig von der tyrannischen Herrschaft der KPC zu lösen, wobei diese Anzahl sich jeden Tag rasch erhöht. Wie sehen Sie diese große Strömung der Austritte aus der KPC?



Chen: Die große Strömung der Austritte aus der KPC ist in der Geschichte unvermeidbar. Eines Tages werden in der KPC nur noch ein paar wenige Menschen übrig bleiben. Am Ende werden die Menschen aufstehen und sie vernichten. Dann wird das Zeitalter der Demokratie beginnen. Die KPC predigt die drei Repräsentanten, „die hochentwickelte Natur von Parteimitgliedern” und setzt die Bewegung zur „Aufrechterhaltung der hochentwickelten Natur von Parteimitgliedern,” in Gang, doch in Wirklichkeit ist sie durch und durch schlecht, und nichts gelingt ihr.



Reporter: Auf welcher Ebene befindet sich ihr Lebensstandard als chinesischer Diplomat?



Chen: In China stellt dies die untere Mittelklasse dar, was ok sein sollte. Aber alle hochrangigen Beamten sind sehr reich, sie besitzen große Mengen an Geldern im Ausland. Woher stammt dieses Geld? Das Geld erhielten sie durch Korruption, Bestechung und illegale Geschäfte. Gewöhnliche Beamte besitzen keine Macht und können nicht so wohlhabend werden; Beamte mit niederem Rang können nur Werkzeuge der hochrangigen Beamten werden, die Menschen unterdrücken und Geld entwenden.



Reporter: Australien hat sehr enge wirtschaftliche Beziehungen mit China; Häufig ignoriert Australien sogar die chinesische Menschenrechts-Sachlage aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen. Meinen Sie, dass die Wirtschaft Chinas wirklich so gut ist, wie man außerhalb denkt?



Chen: Nach meiner Ansicht denken viele Leute draußen, die chinesische Wirtschaft wäre ansteigend und sehr gut. Tatsächlich gibt es innerhalb viele Krisen und Probleme. Die finanzielle Krise ist nahe am Kollaps. Nun, diese so genannten staatlichen Unternehmen sind alle in einer Notlage, und viele von ihnen wurden zu privaten Unternehmen. Das oberflächliche Aussehen der derzeitigen Wirtschaft ist eine Eintagsfliege, eine Fata Morgana, und es ist völlig illusorisch. Es gibt eine weite Kluft zwischen den Armen und den Reichen. Die Arbeitslosen können kaum den niedrigsten Lebensstandard halten, aber die reichen Leute haben riesige Mengen an Geld. Sie wurden durch die politischen Maßnahmen der KPC reich. Jiang Zemin warb sogar die Kapitalisten an, sich mit der KPC zu verbinden; repräsentiert diese Partei demnach immer noch das gewöhnliche Volk? Sie hat sich komplett geändert und wird immer böser.



Reporter: Wie haben Sie die Natur der KPC erkannt?



Chen: Die KPC hat meinen Vater während der Kultur-Revolution umgebracht und meine Familie brach durch die Verfolgung auseinander; aber dafür musste ich mich bedanken und mich zutiefst dankbar fühlen. Ich studierte an der Hochschule für Außenpolitik, wurde später Diplomat und hatte eine sehr erfolgreiche Diplomaten-Karriere; wie jemand sagte, hätte ich das alles der KPC zu verdanken. Der tatsächliche Grund, dass ich die Hochschule für Außenpolitik besuchen konnte, war aber nach meinem Empfinden, dass ich sehr hart studiert hatte. Aber während der Zeit, in der ich im Ministerium für Außenpolitik arbeitete, wurde ich allmählich ein Teil des Staatsapparats der KPC. Insbesondere als ich nach Sydney kam; meine Aufgabe war, mich der demokratischen Bewegung und Falun Gong zu widersetzen; das ist gegen mein Gewissen und gegen meine Wünsche. Die KPC benutzt diese Art und Weise, dass Leute mit extrem verdrehten Ansichten leben müssen. Das ist gegen mein Gewissen und gegen meine Wünsche.
1412 Seitenaufrufe
    Druckansicht

Weitere Artikel zu diesen Thema
06.04.2013 Helft den Erfrierenden
29.03.2013 Fackel der Freiheit
12.03.2013 And the next Pope is
25.01.2013 The Illusion of Freedom
08.06.2012 Wie uns die Mafia regiert
09.01.2012 Warum der Wulff erlegt werden soll
05.08.2011 Der Rassenkampf ist zurück
04.08.2011 China setzt auf Gammastrahlenwaffen
08.09.2010 EU Außenministerin tourt durch China
09.08.2010 Mongolen schwärmen für Hitler


Alle Artikel in dieser Rubrik anzeigen


     

Erstellt 2003   http://www.china-intern.de