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"Städter haben doch Krankenversicherung, die kann man vergiften"[11.03.2009] Neuer oder alter Lebensmittelskandal in China: In der südlichen Stadt Guangzhou (Kanton) sind mit Steroiden verseuchte Schweine-Innereien auf den Markt gelangt. Nach dem Verzehr mussten 70 Menschen wegen Magenschmerzen und Durchfall behandelt werden. Drei von ihnen waren am Montag noch im Krankenhaus, wie die englischsprachige Tageszeitung „China Daily" berichtete. Drei Personen, die die hormonbehandelten Schweine in der Nachbarprovinz Hunan aufgezogen und verkauft haben sollen, wurden festgenommen.
Bei dem verwendeten Steroid handelt es sich nach Medienberichten um Clenbuterol. Dieses wird zum Muskelaufbau eingesetzt und auch als Dopingmittel im Sport illegal verwendet. Die Substanz ist in China als Futterzusatz untersagt, doch wird das Verbot immer wieder umgangen. 2006 wurden in Schanghai mehr als 300 Menschen nach dem Verzehr von Schweinefleisch und -organen, die mit Clenbuterol versetzt waren, in Krankenhäuser eingeliefert. Für den chinesischen Autor Zhou Qing, der ein Buch über Lebensmittelsicherheit in China herausgebracht hat, sind vergiftete Nahrungsmittel nur eine der Folgen des dortigen Gesellschaftssystems. Er erzählt von einem Schweinebetrieb in der landwirtschaftlich geprägten Provinz Henan, der zwei Sorten Schweine hält. Die einen frisch-zartrosa mit schönen Hinterschinken, hervorgerufen durch das „Magerfleischpulver" Clenbuterol, die anderen verdreckt in einer Ecke. Der Clou: die verdreckten Schweine, denen das Steroid nicht verabreicht wurde, essen die Bauern selber, die gedopten werden an die Stadtbewohner verkauft, die „eine Krankenversicherung haben", wie der Züchter gesagt haben soll. „Da kann nichts passieren." Warum das Verbot von Clenbuterol in China nicht durchgesetzt werden kann, liegt laut Zhou im kollektiven Verwaltungssystem und der Korruption. Von der Geburt eines Schweins bis zur Schlachtung teilen sich acht Ministerien die Verantwortung. Für die Aufzucht etwa ist das Landwirtschaftsministerium zuständig, der Quarantäneschutz liegt im Bereich des Gesundheitsministeriums, die Schlachtung unterliegt der Industrie- und Handelskammer. Die Ministerien verlangen alle Gebühren, die sie auch willkürlich festlegen. Bei den verseuchten Innereien in Guangzhou handelt sich um den jüngsten in einer ganzen Reihe von Lebensmittelskandalen in China. Im vergangenen August erkrankten rund 300.000 Kleinkinder nach dem Verzehr von Melanmin-verseuchter Milch, sechs Babys starben. Wenn man Zhou Qing Glauben schenken will, dann führt auch die Aufdeckung solcher Skandale in China nicht zum Umdenken. Im Gegenteil: „Sollten irgendwelche Probleme bei Nahrungsmitteln auftauchen, wie beispielsweise beim Haustierfutter, das im März vorigen Jahres in die USA exportiert wurde", schreibt Zhou in einem Artikel für die Epoch Times, „wird das große Aufmerksamkeit erregen, und deshalb können sie (die chinesischen Behörden, Anm. d. Red.) Sonderzuschüsse für die Sicherheit der Nahrungsmittel beantragen." 773 Seitenaufrufe
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