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Neues aus der Fälscherwerkstatt - Ein Blick auf Chinas Zahlungsbilanz

[02.07.2004] China manipuliert seine Zahlungsbilanz in erstaunlichem Ausmaß. Bei der 2003 veröffentlichten Statistik der Kapitalzuflüsse wurde ein Viertel unterschlagen. Somit hat die Regierung Zuflüsse in Höhe von 45 Milliarden USD nicht veröffentlicht. Die offiziellen Zahlen wurden mit 162 Milliarden USD angegeben.


Lächeln über die Gutgläubigkeit des Westens...

( Die Zahlungsbilanz ist die systematische Aufzeichnung des Werts aller ökonomischen Transaktionen an Gütern Waren, Dienstleistungen und Forderungen bzw. Verbindlichkeiten zwischen In- und Ausländern in einer Periode )


Was steckt dahinter?

Mit Hilfe der Unterschlagung der Zuflüsse kann die Regierung verschleiern, wie sehr die chinesische Wirtschaft von Zuflüssen aus dem Ausland abhängig ist. Würde sich der gegenwärtige Geld- und Investitionsfluß aus dem Ausland nicht verringern, könnte die sogenannte "Überhitzungsblase" länger am Leben erhalten werden, bis sie zusammenbricht, was durchaus noch ein oder zwei Jahre sein könnte, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die internationale Finanzwelt immer bei ihren Berechnungen bez. Chinas permanent von geschönten Zahlen ausgeht. Wirtschaft ist schließlich auch Psychologie.

Ein Crash würde zu einer Kapitalflucht auch der ausländischen Anleger führen ( Wie sehr inländisches Kapital bereits zu Fluchtgeld wurde, haben wir in einigen Artikeln schon dargelegt, wenngleich einiges davon als spekulatives Geld wegen der erwarteten Anhebung des Yuan zurückgeflossen ist )

Zum abgewickelten Coup:

Am 31. Dez. lud die Zentralbank 45 Milliarden USD ihrer Devisenreserven auf die vier quasi-bankrotten Staatsbanken ab. Das offizielle China präsentierte den Überraschungscoup als wichtiges Großreinemachen bei den Banken. Die internationale Finanzwelt, die großen Ratingagenturen eingeschlossen, lobten China für diese Maßnahme, ohne über den etwas seltsamen Zeitpunkt nachzudenken.

Nachdem im April die Zahlungsbilanz-Statistik veröffentlicht wurde, wird klar, warum der Zeitpunkt so gewählt wurde. Gemäß der buchhalterischen Definition muß der Zahlungsbilanzüberschuß oder das Defizit eines Landes gleich der Nettoveränderung bei den ausländischen Währungsreserven sein. Das Verschieben von 45 Milliarden USD am Ende des Jahres erlaubt es China, zu behaupten, die Währungsreserven seien von 448 Milliarden USD auf 403 Mrd. USD gefallen, und man kann ebenso behaupten, dass der Zahlungsbilanzüberschuß um den gleichen Betrag gefallen ist.


Kapitalzuflüsse werden hierbei in zwei Kategorien unterteilt:

Festkonten und laufende Konten. Was ungeklärt ist, wird unter dem Konto "Errors and Omissions" ( E & O ) geführt, was undokumentierte Kapitalzuflüsse beinhaltet, die allgemein als Maßeinheit für die Richtung ( oder sogar der Größe ) der illegalen Kapitalflüsse gilt, welche Chinas Devisenkontrollen umgehen. Ein großes "Errors and Omissions" - Konto würde die Illusion zerstören, dass Chinas Politiker in den letzten 25 Jahren Fachkenntnisse dabei erworben hätten, den Kapitalfluß zu kontrollieren.

Chinas E & O-Konto wies von 1990 bis 2001 einen Nettoabfluß vom Lande auf, der jedes Jahr ca. 11 Mrd. USD betrug, was auf eine überbewertete Währung hinweist, ebenfalls auf löchrige Devisenkontrollen.

2002 änderte plötzlich das E & O- Konto seine Richtung und zum ersten Mal in der modernen Geschichte wies es einen , wenn auch moderaten Zufluß auf. Im letzten Jahr paßte es auch in den neuen Trend. Wenn man aber die Zahlungsbilanz um die 45 Mrd USD aus den Devisenreserven, die auf die Banken verteilt wurden, anpaßt, dann würde das "Errors & Omissions"- Konto plötzlich auf augenfällige 63 Mrd. anwachsen. Wenn man öffentlich zugeben würde, dass dieses Konto ein solche Höhe erreicht hat, wäre es wie eine Ohrfeige für die chinesischen Wirtschaftslenker, es bedeutete, dass diese nicht in der Lage seien, die Wirtschaft feinzusteuern.
Ebenfalls würde die Löchrigkeit der chinesischen Kapitalkontrollen aufgedeckt.

Angesichts Chinas Reputation als "Wachstumsstory der Welt" wäre es kein Wunder, dass Auslandskapital mit unklarer Herkunft, wie es im E & O-Konto gemessen wird, zurückflösse, nachdem es eine Dekade lang wegsickerte. Überraschend dabei wäre der Umfang der Zuflüsse und die Dauerhaftigkeit derselben, wie es in dem Wachstum der ausländischen Devisenreserven der chinesischen Notenbank widergespiegelt wird.

In den ersten drei Monaten 2002 wuchsen ausländische Devisenreserven um durchschnittlich sechs Mrd. pro Monat. Im ersten Quartal 2003 wuchsen sie um 10 Mrd. pro Monat. Trotz eines plötzlichen und scharfen Rückgangs bei Chinas Handelsbilanz im ersten Quartal dieses Jahres , was zu einem Defizit von acht Mrd. USD führte, wuchsen die Devisenreserven um unglaubliche 12 Mrd. USD im Monat. Das Muster der Beschleunigung beim Anwachsen von Chinas Devisenreserven fällt mit exakt mit einem Anstieg der Wirtschaftsindikatoren seit Beginn letzten Jahres zusammen.
Chinas ausufernde Devisenreserven trieben also das exzessive Geldmengenwachstum, die Kreditblase und die damit zusammenhängenden Exzesse bei den Investitionsgütern und im Anlagenbaubereich an, was heute Überhitzung der Wirtschaft genannt wird.

Wenn das Anwachsen ausländischen Geldes nicht auf ein erträglicheres Maß reduziert wird, etwa zurück auf das Niveau von 2002, werden die jetzigen Blasen in vielen Sektoren sich langfristig weiter aufblähen, egal was die Politiker auch immer machen.

Die Wirtschaftslenker haben drei verschiedene Optionen, die Luft aus dem Überinvestitionsboom herauszunehmen:
Sie könnten die strukturellen Reformen beschleunigen, oder die Währung anpassen um die Spekulationsgelder aus dem Ausland auszutrocknen, oder sie hoffen, dass die Zuflüsse von allein versiegen.
Angesichts politischer und wirtschaftlicher Zwänge gegen schnellere Strukturreformen wählten sie den dritten Weg, durch den sie sich etwas Zeit erkaufen, um die schlimmsten Exzesse der Blase mit administrativen und gesetzlichen Maßnahmen zu deflationieren. Der dritte Weg ist der langfristig gesehen schlechteste Weg.
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Erstellt 2003   http://www.china-intern.de