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Chinesischer Aktienmarkt: Glanz im Ausland, Elend im Inland

[06.04.2004] Der Börsengang von China Life war der größte dieses Jahres. Die Banker hatten Order im Volumen von 80 Mill. $, obwohl nur Aktien im Wert von drei Mill. zur Verfügung standen. Vielleicht sind wir inmitten einer Seifenblase aus Chinaaktien?
Aber während öffentliche Fonds sich mit Chinaaktien immer großzügiger eindecken, werden Privatfonds vorsichtiger.


"Chinas wirtschaftliche Blüte" oder Kaiser Jiangs neue Kleider

Wenn sich schon, wie gerade geschehen, manche taiwanesische Risikokapitalgeber, die die gleiche Sprache sprechen und China besser als die meisten anderen kennen, zurückziehen, worauf können dann die anderen hoffen?


China zog über ein Drittel der regionalen Investitionen in Aktien an, jetzt ist es weniger als ein Viertel.
Es gibt nämlich verschiedene Probleme bezüglich Investitionen in chinesische Aktien, obwohl die volkswirtschaftlichen Rahmendaten immer verlockender erscheinen.


Aber die volkswirtschaftlichen Daten sind vielleicht falsch: Der Pittsburgher Professor Thomas Rawski nahm die Zahlen für den Energieverbrauch her, um
nachzuweisen, dass z.B. zwischen 1998 und 2001 die Wachstumsraten eher bei unter 4 % als bei den offiziell verkündeten 7-10 % lagen.


( Anmerkung der Red.:Das Höchstmaß an internationaler Volksverdummung lieferten die chinesischen Statistiker im Jahre 2003, als sie exakt in den Monaten der SARS-Krise, in der das öffentliche Leben und der Konsum still standen, ein nach oben springendes Wirtschaftswachstum vermeldeten. Wieder einmal hatten sie Erfolg damit- gab es doch im Westen wenige Analysten oder Medien, die diesen Widerspruch bemerkten oder bemerken wollten . Die meisten europäischen Medien übernahmen hingegen die chinesischen Wachstumszahlen ohne kritische Nachfrage.)


Wenn auch manche die Forschungen von Rawski in Zweifel zogen, so ist das größere Problem jedoch, dass sich die volkswirtschaftlichen Daten nicht auf
die betriebswirtschaftlichen auszuwirken scheinen.


Laut Schätzungen der Weltbank lag die Aktienkapitalrendite bei den nicht börsennotierten chinesischen Unternehmen seit 1996 immer unter 3 %


Bei den börsennotierten ist die Zahl höher, bei etwa 8 %. Aber diese Unternehmen wurden vor ihrem Börsengang fein
zurechtgemacht, die verlustbringenden Firmenteile wurden ausgelagert.
Wenn man also die Firmenlandschaft Chinas näher beleuchtet, so zeichnet sich ein Paradoxon ab: Das chinesische Wirtschaftswachstum geht nicht mit wachsenden Gewinnen einher.


Wieso das ?


Der Hauptgrund sind leicht zu erwerbende Kredite. Für die meisten chinesischen Firmen stehen Kredite wie auf Abruf bereit.
Eine Rückzahlung von diesen ist zwar ganz gern gesehen, aber keineswegs zwingend.
China erlebt seit 20 Jahren ein jährliches Kreditwachstum von ca. 22 %


Diese Kreditrausch hinterließ bei den Banken faule Kredite im Wert von 578 Milliarden $ oder 43 % des BSP ( Anmerkung: hierbei handelt es sich um eher vorsichtige Schätzungen !) Selbst in Indien beträgt die Höhe der faulen Kredite nur 133 Milliarden $.

Leichte Kredite führten in China zu industriellen Überkapazitäten, die durch schnell wachsende Exporte und das daraus resultierende Handelsbilanzdefizit mit den USA teilweise aufgefangen werden konnten. Durch die dadurch eingehenden Dollarmilliarden wird wiederum das Kreditwachstum in China angeheizt.
Betriebswirtschaftlich gesehen gehen seitens der chinesischen Firmen wenig Ressourcen in Entwicklung und Forschung; durch die Politik der leichten Kredite liegt der Schwerpunkt des Wettbewerbs auf den Preisen .


Chinas Wachstumsstory ist eine kreditgetriebene, keine investitionsbedingte .
Unter ökonomischen Kriterien ist das erstaunlich, denn Risikokapital würde besser zu den Risiken eines sich entwickelnden Marktes passen.


In Taiwan spielte beispielsweise die chinesische Entwicklungsbank eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des privaten Sektors
Privates Investmentkapital spielt vor dem Hintergrund leicht zu bekommender Kredite, deren Kosten faktisch bei Null liegen, keine Rolle und ist auch für Investoren nicht attraktiv.
Eine Ausnahme gibt es jedoch: Privatunternehmen stehen bei der Kreditvergabe außen vor, sie sind auf internationales Kapital angewiesen, wollen sie expandieren.
Ihr Wachstum wurde künstlich begrenzt, aber eigentlich sollten sie, da manche gut geführt und sogar profitabel sind, eigentlich Anziehungspunkt für die internationalen Geldanleger sein. Obwohl diese Form der gegenseitigen Hilfe für beide Seiten nützlich wäre, so ist sie jedoch selten.
Aber warum?


Es gibt für Investoren zwei Hindernisse : Staatliche Regulierung und Kontrolle
Der private Sektor führt eine Art Guerillakrieg gegen die staatlichen VEB-Giganten und den Staat.
Deswegen suchen die Privaten in allen Arten von Tricksereien ihre Zuflucht.
Für Privatfirmen fehlt staatliche Infrastruktur und ein halbwegs funktionierendes
Rechtssystem. Privateigentum genießt beispielsweise nur schwachen Schutz durch die Verfassungsänderung. ( Man konnte in China kein Land besitzen; man hat nur das Recht auf zeitlich begrenzte Nutzung ( max. 70 Jahre )


Um die ihm versagte öffentliche und staatliche Anerkennung wett zu machen, muß der Privatsektor zu illegalen Mitteln greifen, um überleben zu können.
So wurde beispielsweise der Vorstandsvorsitzende von Euro-Asia, einer der führenden Privatfirmen Chinas, im letzten Juni wegen Fälschung von Rechnungen im Wert von 200 Mill. $ sowie weiterer Vergehen verhaftet.
Vor einigen Monaten floh der Chef einer der größten Brauereien, die in Xinjiang beheimatet ist, mit unbekanntem Ziel und vielen Millionen als Fluchtgeld ins Ausland. Diese Nachrichten sind chinesische Zuschauer mittlerweile fast schon gewöhnt, sofern sie sie durch die staatliche Zensur mitbekommen..


Kreative Buchführung, gar verschiedene Bücher, ist Usus. Aktieninvestoren versuchten darauf zu reagieren, indem sie das Management kontrollieren oder wenigstens Einfluß darauf ausüben wollen.


Das ist ein zäher Prozeß. Chinas Unternehmer schätzen ihre Freiheit über alles. Das Wachstum ihrer Firma auf dem Binnenmarkt oder im Ausland, welches durch Venturekapital herbeigeführt werden könnte, ist in ihren Augen zweitrangig, wenn sie dafür die Leitung des Betriebs abgeben müßten. Die Alleinherrschaft ist wichtiger als ein zweites Dell oder Wal- Mart zu werden


Wenn man ihm ein gutes Angebot macht, akzeptiert ein chinesischer Firmenchef vielleicht eine strategische Minderheitsbeteiligung ( aber ironischerweise sind die meisten Multis nicht daran interessiert, kleine Anteile zu erwerben ), aber was können Investoren von Venturekapital schon anbieten ?


Natürlich vielleicht Vorteile wie Ausgabendisziplin, aber einem der sturen Privatunternehmer deren Vorteile vermitteln zu wollen, ist manchmal ein Kampf gegen Windmühlen.
Ein weitere Herausforderung für Investoren sind Gewinnschätzungen, ebenso für staatliche wie für nichtstaatliche Unternehmen. Dieselbe Liquidität, die die Kreditblase erzeugt, jagt die Gewinnschätzungen an Chinas Aktienmarkt in schwindelnde Höhen und erzeugt bei den Anlegern unrealistische Gewinnerwartungen.
Mittlerweile ist die Nachfrage nach interessanten Aktieninvestitionen groß, aber das Angebot an gesunden, profitablen Firmen ist niedrig. In Wirklichkeit ist der Aktienmarkt ein Verkäufermarkt. Dies erhöht wiederum die Gewinnschätzungen, wodurch im Endeffekt die Erträge unter den Erwartungen bleiben.

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