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China und die kommende Ölkrise

[24.06.2004] Bekanntlich gibt es gegenwärtig bei der Stromverversorgung Chinas schwerwiegende Probleme. In der westlichen Öffentlichkeit wird bislang die Ernsthaftigkeit der Lage überhaupt nicht wahrgenommen, aber im Hintergrund droht eine ganz andere Gefahr.


China versucht, sich beim Öl an Rußland zu hängen

DAS PHÄNOMEN PEAKOIL


Der Punkt an dem die höchste Ölfördermenge erreicht wird und wonach die Produktion nie wieder dasselbe Niveau erreicht (Produktionsspitze) und danach jedes Jahr abnimmt wird in englischsprachigen Fachkreisen "Peak Oil" genannt. Die Pessimisten unter den Fachleuten vermuten dass das Jahr 2000 bereits Peak Oil war, optimistischere Schätzungen glauben es wird 2005 oder später sein.



Die Konsequenzen nur wenige Jahre nach Peak Oil werden das Leben fast aller Menschen grundlegend verändern. Das geht viel weiter als nur Schlangen an den Tankstellen, höhere Spritpreise und sinkende Aktienkurse. Unsere gesamte Lebensweise muss und wird sich fundamental ändern, in einem Ausmass das derzeit für die meisten nur schwer vorstellbar ist.

Auch die Nahrungsmittelherstellung und die Wasserversorgung hängt vom Erdöl ab, genauso wie die Wirtschaft. Der Amerikaner Stephen Leeb, Inhaber einer Investmentfirma und Author des Buches "The Oil Factor: How Oil Controls the Economy and Your Financial Future" (Der Ölfaktor: Wie Öl die Wirtschaft und Ihre finanzielle Zukunft kontrolliert), glaubt dass die Wirtschaft aufgrund unzureichender zukünftiger Ölreserven auf eine schlimme Krise zusteuert.
Die OPEC Länder haben, wenn sich ihre Reservelage verschlechtert, nicht unbedingt ein Interesse daran dies publik zu machen. Ihre internationale Kreditwürdigkeit würde geschädigt, was verheerende Folgen hätte da diese Länder zum Teil hoch verschuldet sind. Weiterhin könnte die innere Stabilität des Landes gefährdet werden, viel Wohlfahrt und Leistungen des Staates hängen dort vom Öleinkommen ab.

Bereits jetzt muß z.B. das OPEC-Land Indonesien Öl importieren


Zu einer Zeit, da China noch nicht zweitgrößter Ölimporteur der Erde war ( vor 1995 ) und das Ausland glaubte, dass China genügend Öl habe, es sogar exportieren könne, sobald die Vorräte "im Wilden Westen" nur erschlossen seien, war dieses Phänomen scheinbar noch weit weg.
Gelegentlich geistern zudem Xinhua-Meldungen durch die westlichen Medien, wie folgende:

"In Chinas Nordwesten ist ein grosses Öl-Feld entdeckt worden. Dessen Vorkommen sollen alle anderen Funde seit einem Jahrzehnt übersteigen.

Gemäss ersten Schätzungen der staatlichen Ölfördergesellschaft China National Petroleum Corporation (CNPC) lagern in dem Öl-Feld Xinfeng in der Provinz Gansu etwa 108 Millionen Tonnen Rohöl.
... Geologische Probleme erschweren und verteuern gemäss der Darstellung von CNPC aber die Erschliessung dieser Öl-Vorkommen...."


Wenn man nun davon ausgeht, dass die Meldung der Wahrheit entspricht ( was bei amtlichen chinesischen Meldungen grundsätzlich zweifelhaft ist ), kommt man durch einfaches Nachrechnen auf den Kern des Problems: Sebst der groß herausgestellte Riesenfund des Jahrzehnts würde gerade, allein den Verbrauch von 2002 hochgerechnet, ausreichen, um die Welt knappe zehn Tage mit Öl zu versorgen. Zudem ist die Erschließung technisch kaum machbar und viel zu teuer, was der Artikel indirekt auch zugibt. Mit anderen Worten, China hat kaum noch Öl. Was es noch hat oder importiert, wird auf unverantwortliche Weise verschwendet ( hierzu unser Bericht über den Ölklau auf Chinas Ölfeldern ):

In der reichen Provinz Zhejiang beispielsweise hat fast jede zweite Firma bereits Dieselgeneratoren, um sich von der zusammenbrechenden staatlichen Stromversorgung unabhängig zu machen. Die Kosten hierfür sind jedoch doppelt so hoch, als bei Direktkauf vom Stromversorger. Abgesehen davon handelt es sich um eine Energieverschwendung in höchstem Maße. Die steigenden Rohstoffkosten lassen bei immer mehr Firmen die Rendite dahinschmelzen. Anders als bei Firmen im Westen spielen Lohnkosten keine Rolle, da die Löhne minimal sind und etliche chinesische Firmen auf Sklavenarbeit aus den Konzentrationslagern ( Laogai )zurückgreifen. Energiepreise und Rohstoffpreise sind demnach jedoch für die Firmen essentiell wichtig, sie bestimmen die Kalkulation.

Im Mai gab es in Berlin eine Konferenz über das Thema Peakoil.


Konferenzteilnehmer, links Ali Samsam Bakhtiari

Es gab in westlichen Zeitungen am Rande ein paar Artikel über die Konferenz, alle mit dem Tenor, ´so schlimm wird´s schon nicht sein.´ China wurde überhaupt kaum erwähnt. Während in der Vergangenheit die Wissenschaftler, die sich mit dem Peakoilphänomen beschäftigten, als schrullige Spinner bezeichnet wurden, war bei der diesjährigen Peakoilkonferenz die Creme de la Creme der internationen Ölwirtschaft erschienen. So gab es Vertreter von British Petroleum, ExxonMobil, und der "International Energy Agency", BMW, sogar ein ehem. Berater von Präsident Bush war erschienen.

Hier nun einige neue Erkenntnisse von der Konferenz

-Ganz Europa, einschließlich GB und Irland, wird in Kürze auf russisches Erdgas angewiesen sein, da die Förderung in der Nordsee immer mehr zurückgeht.

-Großbritanien wurde soeben bereits heimlich still und leise Nettoimporteur von Erdgas.

-Rußland jedoch besitzt viel weniger Erdgas als bislang bekannt war. Der Unterschied zwichen technischen Daten und "politischen" ( d.h. Daten, die veröffentlicht werden, um irgendwelche poltischen Interessen zu befriedigen, siehe China ) läge in Russland bei 50 %.

-Die USA sahen ihren Peakoilpunkt beim Erdgas bereits 1973, und Neuinvestitionen lohnten sich bereits jetzt nicht mehr, die Förderkosten sind zu hoch, wie Matthew Simmons, Chef der weltgrößten Investmentbank, meinte

-Der Vertreter von RWE ebenso wie anderer anwesender Energieversorgungsunternehmen redeten nunmehr von Kohle als wichtigem Energieträger und sahen für Deutschland hierin die Hoffnung.

Saudi Arabien

Wie es um die Erdölreserven dieses Landes steht, war eines der heißesten Themen der Konferenz.

Die Saudis versprachen, genügend Erdöl zu liefern und eine Krise zu verhindern.
Das weltgrößte Erdölfeld, - Ghawar - jedoch ist wie die anderen saudischen Felder auch, alt und bald erschöpft. In den letzten Jahren mußte bereits sog. "Flaschenbürstenbohrungen" zusammen mit Wasserinjektionen in Ghawar angewendet werden, um das Öl zu fördern. Beide Techniken jedoch verstärken die Erschöpfung eines Ölfeldes und machen mögliche Reserven unbrauchbar. Es handelt sich eigentlich um Verzweiflungsmaßnahmen, die man unter normalen Umständen nicht anwenden würde.

Bei der erstgenannten Methode wird ein sehr langer Schacht möglichst horizontal in die Erde getrieben, wobei viele Öffnungen nach oben führen, ähnlich einem Pinsel. Wenn dann Wasser in den Schacht gelassen wird, wird das Öl nach oben zu den Pumpen gedrückt, man kann somit mehr Öl fördern. Wenn aber das Wasser den höchsten Punkt des horizontalen Schachts erreicht, oft ohne jegliche Vorwarnung, ist das ganze Feld tot, die Produktion fällt fast auf den Nullpunkt. Beispiele hierfür gab es schon in Syrien, Yemen und dem Oman.

William Kennedy, ein Beobachter aus GB bemerkte, dass die Erdölreserven von Ghawar 1975 von Texaco, Mobil und Chevron auf 60 Milliarden. Barrels geschätzt wurden. Ende 2003 wurden bereits 55 Milliarden. herausgeholt, gegenwärtig fördert man 1,8 Milliarden pro Jahr. Das zeigt, wie nah Ghawar der Erschöpfung ist. Ist Ghawar tot, ist die Welterdölförderung auch offiziell im Rückgang.

Die Saudis sind auch nicht in der Lage, mehr Öl zu fördern. Sie bräuchten Extrapipelines, Wasser und Öltrennungsanlagen, ( riesige kugelförmige Anlagen ) . Sie haben sehr schweres Öl, das man eher für Asphalt benutzen könnte. Sie benötigten 7 und mehr Jahre, um eine solche Raffinerie zu bauen.
Doch davon ist keine Rede, denn sie wissen, es würde sich überhaupt nicht mehr lohnen, das investierte Geld könnte nicht mehr hereinkommen. So wurstelt man weiter, die Investitionen in die Zukunft sind auch durch die instabile Lage dort jetzt nicht mehr durchsetzbar.

Peakoil in den USA erreicht





Aus demselben Grund wurden in den letzten fünf Jahren keine neuen Erdgaskraftwerke mehr in den USA gebaut, man weiß, durch die zu Ende gehenden Reserven wären es verlorene Investitionen, die nie wieder Geld einfahren würden.

Der Chefökonom der Weltenergiebehörde, Birol, mußte zugeben, dass die Erdölförderung der Saudis gegenwärtig "auf einem Plateau" sei, und dass die Weltproduktion die aufsteigenden Ökonomien wie z.B. Chinas nicht mehr bedienen könne..Saudiarabien sei auch nicht in der Lage, die Fördermenge signifikant zu erhöhen. Als ein BBC Journalist Birol fragen wollte, ob denn die Saudis überhaupt die Erdölproduktion steigern könnten, fragte er :" Sie sind von der Presse? Das ist nicht für die Presse gedacht..!" und rannte weg.

Es wurden ein paar "Irrtümer" herausgefunden, die zu der jetzigen dramatischen Situation führten:
-
- Der Ölbedarf wurde falsch eingeschätzt ( siehe China )
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- Die geschätzten Ölreserven waren Wunschdenken
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- "Flache" Erdöl-Abnahmecharts wurden zu "Wasserfällen"
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- Es ist nicht genug Infrastruktur für die Stromlieferungen vorhanden vorhanden

- Es gibt wenig Erdölalternativen

- Der technologische Fortschritt blieb hinter den Erwartungen zurück



Ali Samsam Bakhtiari, Vizepresident der National Iranian Oil Company (NIOC) brachte neue Daten nach Berlin, die zeigten wie im Nahen Osten plötzlich und unerwartet Ölquellen versiegen, nachdem durch Flaschenbürstenbohrungen und Wasserinjektionen das letzte aus ihnen herausgeholt wurde.

Er sagte wörtlich:
"Die Krise ist nah, sehr nah. Der dritte Weltkrieg hat begonnen. Er betrifft bereits jeden Bürger des nahen Ostens, bald wird er überschwappen und jeden Bürger der Welt betreffen. Syriens Ölproduktion geht zurück, die des Jemen ebenso. Saudi-Arabien hat den Peakoilpunkt erreicht oder wird ihn bald erreichen."
Im privaten Kreis sprach er noch offener über die drohende Weltenergiekrise.

Man war auf der Konferenz auch der Meinung, das die Krise nicht dann ausbrechen würde, wenn die Ölfelder plötzlich versiegen, sondern schon dann, wenn die Massenmedien, die Bevölkerung und die Politik zur Kenntnis nehmen, dass sie bald versiegen. Gegenwärtig könnten die Massenmedien aber noch unter Kontrolle gehalten werden, man will keine Panik erzeugen.

Die Wirtschaft von Ländern wie China wird natürlich viel mehr davon betroffen sein, da es keinerlei Energiesparmaßnahmen gibt, ebensowenig wie alternative Energien, was in manchen westlichen Ländern zumindest ansatzweise vorhanden ist. Wasserkraft ist aufgrund der ökologischen Verwüstung Chinas auch keine Alternative mehr, selbst der Dreischluchtendamm wird verschlammen, wenn man westlichen Experten glauben darf, und kann auch nicht die Rettung sein.

Chinesische Politiker suchen weltweit nach Ländern, von denen sie Öl kaufen können, gegenwärtig sind sie vor allem im Kaspischen Meer-Gebiet unterwegs, wo sie mit den Russen um das Öl wetteifern.
Sehr wichtig war in diesem Zusammenhang die Frage, ob eine geplante neue Pipeline in Rußland für die Japaner oder die Chinesen gebaut wird. Man nannte sie bereits "Daqing-Pipeline", nach dem vermeintlichen Endpunkt.
Sehr zur Überraschung europäischer Beobachter wird stattdessen eine Pipeline nach Japan gebaut. Wie es heißt, soll vor der Entscheidung darüber Präsident Putin das Grenzgebiet zu China besucht haben, in dem bereits heute Millionen Chinesen illegal leben.
Nachdem er dort war, entschied er, die Pipeline für die Japaner zu bauen. Wie intern zu erfahren war, war er entsetzt über die dortige Lage und sah plötzlich in dem erwachenden China eine potentielle Gefahr, die er nicht noch durch Energiezufuhr verstärken wollte.
Die Energiekrise, die China seit letzem Jahr heimsucht, ist nur ein lindes Lüftchen im Vergleich zu dem, was noch bevorsteht.
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