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Der Export -Boom

[12.04.2005] Seit zwei, drei Jahren kommt bei China-Beratern, - Verbänden, -Seminar-Veranstaltern, Magazinen oder sonstigen Zweitverwertern des China-Booms immer wieder Freude auf, wenn das Statistische Bundesamt neueste Exportzahlen veröffentlicht. Erst jetzt wieder hieß es Exportgeschäft profitiert vom Handel mit China ... oder ähnlich.

Und: China steht auf Platz 10 der wichtigsten Abnehmer für Waren aus Deutschland. Unser Archivverwalter kann sich freilich noch gut erinnern, wie einfach es war, als er - noch Vertreter der deutschen Wirtschaft in Peking - erwartungsfrohe Besucher-Delegationen mit Zahlen zum deutsch-chinesischen Handel zu schockieren. Die Ausfuhren nach China, sagte er zum Beispiel, machen in diesem Jahr (2000) leider nur 1,5 Prozent der deutschen Gesamt-Exporte aus. Im Folgejahr 2001 sagte er: Leider nur ein Plus von 0,2 Prozentpunkten. So wenig? entfuhr es dann so manchem Zuhörer, das hätte ich nicht gedacht. Das Sahnehäubchen auf der Präsentation war dann die Mitteilung, daß das kleine Polen oder das noch kleinere Tschechien mehr deutsche Exporte nehmen.
Gleichzeitig berichteten in eigener Sache engagierte China-Experten unverdrossen weiter, daß der deutsch-chinesische Handel schon wieder einen zweistelligen Zuwachs gehabt habe. Was freilich auch nicht falsch war. Es kommt eben auf die Betrachtungsweise an. Und vor allem darauf, was man bei seinen Zuhörern erreichen möchte.
Wie sieht es aktuell aus? Der China-Anteil bei den deutschen Exporten lag 2002 bei 2,2 und 2003 bei 2,7 Prozent, stieg also gegenüber den Vorjahren um 15,7 bzw. sogar um 23 Prozent (oder 0,3 bzw. 0,7 Prozentpunkte). Da können die Exporteure sich natürlich freuen. Jedenfalls, wenn ihnen die sogenannten Hermes-Garantien auch die Zahlung sichern, was im China-Geschäft zu erheblichen Anteilen der Fall ist. Wie das Bundeswirtschaftsministerium jetzt mitteilte, entfallen auf China-Exporte Staatsgarantien von insgesamt 2,4 Milliarden Euro.

Und das ist der Großteil dieser Gelder!

Übrigens sollten das Statistische Bundesamt oder der Verband für den Groß- und Außenhandel, der ebenfalls gerne mit China-Boom-Meldungen auf sich aufmerksam macht, beim nächsten Mal auch mitteilen, welcher Anteil dieser Exporte eigentlich an deutsche Firmen geht, die dort investieren. Oder an andere Ausländer. Es ist doch klar, daß zum Beispiel die Milliardeninvestition von BASF in Nanking (nimmt jetzt die Produktion auf!) ihre Maschinen und Anlagen im wesentlichen außerhalb Chinas einkauft, vulgo: importiert.

Und so verfahren auch die anderen ausländischen Investoren, die im vergangenen Jahr 60 Milliarden Dollar nach China gebracht haben. Dieser Kapitalexport der Ausländer ist es, der den Warenimport nach sich zieht, nicht der boomende chinesische Markt. Die Käufer sind Ausländer, nicht Chinesen. Wer also dauernd von Globalisierung redet, sollte auch nicht in nationales Denken zurückfallen und von chinesischen Importen reden. Jedenfalls dann, wenn es um Tatsachen geht. Bei PR ist es natürlich etwas anderes.

Deutsche Bank

Die Deutsche hatte im vergangenen Herbst (hoffentlich) ein gutes Geschäft damit gemacht, Anteile an der bereits bankrotten China Aviation Oil in Singapur für 108 Millionen Dollar an ahnungslose Anleger zu verkaufen. Natürlich wußten die Verkäufer der Deutschen zum Zeitpunkt des Verkaufs noch nicht, daß die Anteile in Wahrheit völlig wertlos waren. Jedenfalls haben sie das hinterher so gesagt...
Auftraggeber des Geschäfts war die CAO-Muttergesellschaft in Peking gewesen, die im Gegensatz zur Deutschen die Lage der Tochter natürlich gut kannte. Sie wollte ja mit den 108 Millionen Dollar Einnahmen die Verluste bei CAO Singapur ausgleichen. Die waren durch ungünstig gewählte Termingeschäfte des dortigen Chef-Strategen Chen Jiulin entstanden.

Als das Minus mit über 500 Millionen Dollar viel höher geworden war als das CAOVermögen, brachte sich Chen zunächst in Peking in Sicherheit, wurde schließlich aber doch überzeugt, sich den Behörden in Singapur zu stellen, die die Sache seit Wochen aufarbeiten (vgl. No. 52).
Hauptfrage dabei ist: Wie können die CAOGläubiger befriedigt werden, wo doch gar kein Geld
mehr da ist. Die Mutter in Peking wurde bereits aufgefordert, Geld zu geben, weigert sich aber. Diverse Klagen im Ausland sind auf dem Weg. In dieser Situation nun bietet die auf den völlig mysteriösen chinesischen Aktien- und Finanzmärkten immer aktivere Deutsche großzügig an, Teile der CAO-Schulden (> 500 Millionen Dollar) zu kaufen. Sie bietet den Gläubigern 40 Prozent für ihre wertlosen Anteile. Wo hier das gute Geschäft liegen soll, ist mit westlicher Betriebswirtschaft nur schwer zu ermitteln. Die chinesische feng shui-Theorie hilft jedoch weiter. Man muß nur um die Ecke denken können (in Köln sagt man auch: mer kenne uns, mer helfe uns) Die in Parteieigentum befindliche CAOMuttergesellschaft in Peking müßte der Deutschen nämlich sehr dankbar sein, wenn sich die Gläubiger
auf deren 40-Prozent-Angebot einließen. Es käme dann vielleicht nicht zu einem Prozeß gegen CAOPeking und niemand würde Zeuge werden, wie es zwischen einer Parteifirma und ihrer Tochter im Ausland so zugeht. Wenn das Manöver der Deutschen also gelingt, kann sie mit Partei-Wohltaten auf ganz anderen Feldern in China rechnen. Sie hat ja viel vor.

Clever!

Vorgemacht, wie sowas geht, haben die Kollegen von Goldman Sachs. Die gründeten im vergangenen Jahr - unter Vermittlung von Partei- und Staatschef Hu Jintao persönlich - ein Investment-Bankjoint venture in China, wie es andere (Konkurrenten) noch nicht geschafft haben. Wie das?

Die Methode: Goldman Sachs übernahm die Schulden der im Sommer 2004 pleitegegangen chinesischen brokerage Hainan Securities in Höhe von 67 Millionen Dollar. Das Ganze hatte mit dem eigentlich verfolgten Finanz-joint venture zwar nichts zu tun, löschte aber ein anderes Feuer. Anschließend ging es im Gegenzug recht flott mit der Lizenz. Beteiligt an der so erhaltenen Investmentbank ist dem Vernehmen nach der bekannte chinesischeBankier (oder eher: Bänker?) Fang Fenglei (bis Januar 2001 Manager der Bank of China in
Hongkong). Ebenfalls beteiligt sein soll die Computer-Firma Lenovo, deren Name schon verbundenes Denken bedeutet. Lenovo könnte Einnahmen aus einträglichen Börsengang Geschäften der neuen Goldman Sachs-Bank vielleicht gut gebrauchen. Der IBM-deal ist durch, und jetzt müssen die 1,7 Milliarden Dollar Kaufpreis für die IBM-PC-Sparte auch gezahlt werden. Für das vorletzte Quartal 2004 berichtete Lenovo aber leider: profit flat, und wenn das so bleibt, fehlt vielleicht Geld. Ob das, wie geplant, mit IBM-Rechnern in den USA verdient werden kann, ist die Frage, nachdem Lenovo wegen des Politiker-Widerstandsdort einige ziemlich geschäftsschädigende Konzessionen machen mußte.

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