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Jiangsu: Der rote Teppich hat Lücken

[19.12.2003] Einst gab es eine Zeit, in der fast jede Kommunalverwaltung Chinas jeden denkbaren Kotau vollführte, um ausländische Investoren anzulocken . Ausländische Firmen brachten Renommee, Zugang zu Exportmärkten, Know-How in Bezug auf Management und Technik,
und den wichtigen Zufluß von Kapital.


DIE INVESTORENFALLE

Vor zehn Jahren war eine Investition von 10 Mill. genug, um ein Festessen mit dem Bürgermeister sicherzustellen, zumindest in mittleren Städten, eine Investitionszusage von 100 Mill. sicherte Frontberichterstattung in allen lokalen Medien.


"Aber, so David Mahon, ein Investor mit 19 Jahren Chinaerfahrung, ausländische Direktinvestitionen haben ihren Glanz verloren, zumindest in den Gebieten der boomenden Ostküste. Dieses Gebiet ist nach wie vor der Fokus der ausländischen Investoren. Deshalb wäre es vielleicht besser, im Landesinneren zu investieren, oder im Nordosten."


Seine eigenen Erfahrungen in der östlichen "Goldgräberstadt" Ninghai untermauern diese Aussage. Die Mahon China Investment Management die 170 Mill. $ internationaler Investoren in einem Dutzend Projekte verwaltet, kaufte sich 1998 in die Kinderbekleidungsfabrik Yinghai Yixiu ein. Diese ist Chinas bekanntester Markenhersteller für Kinderbekleidung überhaupt. Geleitet wurde sie von Chen Huajiao, die sie 1983 gründete und die so berühmt wurde, dass sie 1994 zum Delegierten für den Volkskongreß ernannt wurde.



MCIM kaufte sich mit 10 Mill. $ einen 40 % Anteil von Yinghai Yixiu, wobei Chen Land, die Firma und die Marke, was alles in allem auf 15 Mill. $ taxiert wurden war, zur Verfügung stellte. Sie wurde zur Generalbevollmächtigten und Vorstandsvorsitzenden ernannt. Bald aber begannen die Dinge, aus dem Ruder zu laufen. Frau Chen "exportierte" Produkte im Wert von 70 Mill. RMB an einen Verwandten, der eine Firma in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet hatte. Aber die Firma bekam für die Produkte niemals Geld.


Dann, im Jahr 2000, verkaufte sie auf eigene Faust 17000 qm Land, das dem Joint Venture gehörte und steckte den Gewinn von 20 Mill. in ihre eigene Tasche. Nach Monaten der Verhandlung stimmte sie schließlich zu, ihren Anteil an dem Joint Venture an MCIM zu verkaufen, und 10 Mill. Entschädigung zu bezahlen. MCIM hielt also 80 % des Joint Venture, den Rest hielt die Stadt Ninghai.
Aber die Probleme endeten hier nicht einfach so.


Obwohl die Geschäfte gut gingen (die Produkte wurden in Großbritannien, Kanada und den Staaten bestens verkauft ), häufte Yixiu eine Schuldenberg an. Deshalb wollte die Firma ihren Grund und Boden verkaufen und zu einem billigeren Produktionsgelände außerhalb der Stadt umziehen. Aber die Stadtregierung von Ninghai weigerte sich, dass Gelände als geschäftlich zu klassifizieren, wodurch es einen Wert von 10 Mill. $ bekommen hätte. Stattdessen stufte man es als Industriegebiet ein, wodurch es nur 1 Mill. $ wert war. Mr. Mahon bezeichnete das als unfair, denn alles Land um die Firma herum wurde ansonsten als geschäftlich klassifiziert.


"Die Stadt will uns in den Ruin treiben. Wenn wir bankrott machen, bekommen sie sowohl das Land, als auch die Marke," schimpft Mahon. "Ohne an einen neuen Standort zu wechseln, können wir nicht mehr wachsen. Wir könnten drei mal soviel produzieren als jetzt."


Er fügt hinzu, dass Yixius Hoffnung darin liegt, dass Beamte auf höherer Regierungsebene intervenieren und die Ninghaibeamte überreden, das Land anders einzustufen. Aber die Intervention aus Ningbo, einer nahegelegenen Großstadt, war bisher nicht erfolgreich. Es sei offensichtlich, dass wirtschaftlich erfolgreiche Städte ihren eigenen Weg gingen und sich nichts mehr von oben sagen ließen, erklärt er die Weigerung der Stadt Ninghai, den Anordnungen aus Ningbo Folge zu leisten. Dies, obwohl in der chinesischen Hierarchie die Stadt Ningbo verwaltungsmäßig über Ninghai steht.


NACHTRAG:
Die örtlichen Kader aus Ninghai lehnten auf telefonische Nachfrage jeden Kommentar ab.

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