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Chinas Exportboom oder wie tief können Preise fallen

[28.01.2005] Chinas Tiefstpreise ließen die westlichen Verbraucher Geld für den Konsum ausgeben, aber jetzt bedrohen sie die Weltwirtschaft.
Zu Zeiten der Asienkrise stand China ganz oben auf der Hitliste der Länder mit Crashszenarien. Zu jener Zeit erlebten viele asiatische Länder, ebenso wie Rußland den Zusammenbruch ihrer Währungen, und sogar Südamerika wurde auch von diesem Virus befallen

Als Ergebnis des ganzen stotterte Chinas Exportmotor und kam fast zum Erliegen. Die Firmen baten die Regierung, etwas zu unternehmen. Was würde passieren, wenn China seine Währung abwertet? Die Wirtschaftsexperten fürchteten in diesem Fall eine neue Runde tödlicher Währungsabwertungen und in der Folge eine Verschärfung der internationalen Krise. Peking überlegte lange und tiefgehend und band seine Währung schließlich an den Dollar, ein fester Wechselkurs von 8,28 zum Dollar wurde, sehr zur Freude der Außenwelt, festgelegt.
In diesen Tagen kommt Peking wieder unter Druck, etwas mit dem Yuan zu unternehmen. Aber diesmal sieht es sich einem anderen Problem gegenüber: Handelspartner wie Japan oder die USA drängen China zu einer Anpassung des Yuan. Warum?
Weil die chinesischen Fabriken die ganze Welt mit Billigartikeln überschwemmen , alles von Fernsehern, DVD-Playern, Fahrrädern bis zu Kinderpyjamas. In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft dem Nullwachstum nähert, stiegen die Exporte aus China um 20 %.
In China selbst ließ die Überproduktion an allen Gütern die Preise in den letzten Jahren um 7 % fallen, die Einzelhandelspreise sogar um 10 %.
Für die westlichen Verbraucher ist das ein Segen. Chinas Produkte waren ursächlich für das Niedrighalten der Inflation während der letzten Jahre. Und Chinas Aufstieg als als Produzent zementierte sein Verhältnis mit dem Rest der Welt.
Aber eine wachsende Anzahl von Wirtschaftsexperten und Politikern sehen in einem deflationären China eine Gefahr für die Weltwirtschaft.
"Chinas Preise sind globale Preise" schrieb der Morgan Stanley Wirtschaftsexperte Stephen S. Roach kürzlich in einem Bericht.
Die Preise für viele Verbrauchsprodukte wie Elekronik und dessen Zubehör und für andere Produkte sind im letzten Jahrzehnt schon zusammengebrochen.Und obwohl wenige westliche Produzenten mit chinesischen Waren konkurrieren, arbeiten sich die chinesischen Produzenten langsam in der Nahrungskette nach oben, hin zu Halbleitern, Telekommunikationausrüstungen und anderen, noch komplizierteren digitalen Produkten. Wenn die Chinesen in diese Sparten vorrücken, so die Befürchtung einiger, werden wir niemals mehr stabile Preise sehen.
Die Preise Chinas haben bereits Ungleichgewichte in der dritten Welt geschaffen. Mexiko sieht ganze Industriezweige nach China auswandern. Neuinvestitionen in das verarbeitende Gewerbe fielen in ganzen übrigen Asien rapide. Die Japaner denken schon darüber nach, Autos aus China zu importieren. Mittlerweile hat ein Strom von Konsumartikeln und Nahrungsmitteln zu Beschwerden seitens der japanischen Produzenten geführt. Unlängst warnte Harohiko Kuroda. Japans Vizeminister für internationale Beziehungen, dass China die Deflation in andere asiatische Länder exportieren wird, wenn es in der Zukunft mehr High-Tech Produkte herstellen wird.

Kurodas Lösungsansatz: Den Yuan aufwerten . Chinas Finanzminister Xiang Huaicheng gestand vor kurzem, die USA gäben ihm den gleichen Ratschlag. Das Ziel ist die Verteuerung der chinesischen Produkte, was die Exporte verteuern würde.

Wenn das so einfach wäre!
Chinas Wettbewerbsvorteile sind so stark, dass sie einen moderaten Anstieg der Währung leicht verkraften könnten. Das Angebot an chinesischen Arbeitern, die für 100 $ im Monat arbeiten ist, ist unerschöpflich. Und von den 50 Mill. $ an ausländischen Investitionen, die nach China strömen, gehen viele in den Ausbau modernster Fabriken für europäische oder amerikanische Multis.
Ein weitere Punkt ist: Gemäß einem von der Bank of China veröffentlichen Report erhöht sich die Produktivität durch diese Kapitalzuflüsse von außen jährlich um 4 %, was den Chinesen ermöglicht, Rohmaterial billiger einzukaufen- welches sie dann für Exportprodukte wiederverwenden würden. Die Chinesen würden die Ersparnisse bei den Importen einfach weitergeben um ihre Produkte zu verbilligen.
Man bräuchte einen Anstieg der Währung um 25 %, damit ein Effekt spürbar wäre. Aber das könnte eine finanzielle Krise in China auslösen. Ein Rückgang bei den Exportzahlen könnte die schwächsten Exporteure vom Markt fegen und den Bankensektor in die Knie zwingen, der schon heute über 5600 Milliarden Yuan fauler Kredite mit sich herumschleppt. Eine soziale Krise wäre die Folge, mit Millionen neuer Arbeitsloser.
Es ist nicht einmal sicher , dass eine Freigabe der Währung einen stärkeren Yuan zur Folge hätte. Einige Analysten behaupten, dass die Währung wegen der verschiedensten faulen Kredite in allen Sektoren Chinas eigentlich schwächer sein müßte.
Sogar die Amerikaner sind sich der Risiken einer Aufwertung bewußt. So warnte der ehemalige Notenbankchef, Paul A.Volcker jüngst bei einem Chinabesuch, dass die Aufwertung des Yuan zu einer Welle der Spekulation führen könnte, die "schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung " sein würde. Er fügte hinzu, China sollte bei seiner Politik der Währungskopplung an den Dollar bleiben .
Zudem vergrößern andere Faktoren, wie manche glauben, den Chinaeffekt. Obwohl 16 % der japanischen Importe aus China kommen, verglichen mit 6 % vor 10 Jahren, ist der Gesamtbetrag nicht höher als 1,6 % des japanischen Bruttosozialprodukts, schätzt der Direktor von Goldman, Sachs und Co., Fred Hu. Das hält die Verbraucherpreise niedrig.Aber der wirkliche Grund für die Deflation in Japan ist die falsche Geldpolitik.Die Finanzmogule dort waren nicht in der Lage, Investitionen und Verbraucherausgaben zu stimulieren. Bei dem Punkt hilft China aus, denn wie Mark Noland vom Institute for International Economics bemerkt hat, hatten die japanischen Verbraucher durch den höheren Anteil an verbilligten chinesischen Importen mehr Geld in der Tasche, was zu einer Erhöhung der Realeinkommen führte.

(Beitrag von Mark L. Clifford, Hongkong)

Kommentar:
Dieser Artikel zeigt wieder einmal von einem anderen Aspekt her, wie ein bestimmtes Schlagwort einer Überprüfung in der Wirklichkeit nicht standhält. Die Mär vom Milliardenmarkt Chinas, der die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme bringen soll. Tatsächlich hat für die Chinesen höchste Priorität, alles im eigenen Land herzustellen.
Die chinesischen VEBs sind in der Lage, ihren heimischen Markt mit fast allen Gütern zu jedem beliebigen Preis zu beliefern, sie sind auf westliche Produkte nicht angewiesen . Sollte wirklich einmal der chinesische Verbraucher Interesse an ausländichen Produkten haben, werden sie einfach gefälscht und mit westlichen Etiketten versehen. Importieren will man nur, solange man das nötige technische Know-How noch nicht hat, oder in Einzelfällen aus politischen Gründen. (Dies betrifft vor allem manch große Autofirma). Dann wird man selbst das gleiche Produkt zu einem Viertel, in manchen Fällen sogar nur zu einem Zehntel des Ursprungspreises auf den Markt werfen ( So unlängst geschehen mit Motorrädern für den Markt in Vietnam, die man japanischen Hondamodellen nachgebaut hatte).
Der prozentuale Anteil der deutschen Exporte nach China am Gesamtexport ist heute nicht höher als vor 40 Jahren, und das Gesamtvolumen nicht höher als die Ausfuhren in die Tschechische Republik...

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