Aktuelles
Wirtschaft
Hintergrundberichte
Presseberichte
China
Deutschland
USA

Politik
Menschenrechte
Gerichtsverfahren
Kultur
Gesellschaft
Wissenschaft
Sonstiges
Außergewöhnlich
Weblinks
Impressum

NEWSLETTER

  Back  Sitemap  Chinese  Englisch DIENSTAG 25.9.2018

Der Zustand der Banken

[11.03.2005] Von He Qinglian
Bei der Analyse verschiedener Faktoren, die die wirtschaftlichen Aussichten Chinas beeinflussen können, wird der chinesische Finanzsektor vom In- und Ausland negativ beurteilt. Die chinesische Regierung setzt mit alles daran, um die Krisenfaktoren des Finanzsektors abzuschütteln. Neulich äußerte die Bank of China,

dass die Umstrukturierung des Aktiensystems vor Oktober letzten Jahres beendet sei und mindestens noch 6 „Strategische Investoren„ gesucht würden. Die chinesische Regierung hat erklärt, sie werde die Devisenreserven nochmals angreifen und jeweils 25 Mrd. $ in Bank of China und Construction Bank of China einfließen lassen, um die Quote der faulen Kredite (NPL Non Performance Loan) zu reduzieren und um neue Investoren nach dem Börsengang zweier Banken im Ausland anzulocken.

Wie hoch ist die Quote des Problemkapitals eigentlich?

Das chinesische Finanzsystem wird überwiegend durch folgende zwei Merkmale gekennzeichnet: erstens durch die Zahl der faulen Kredite(NPL) der Banken; zweitens, durch die geringe Eigenkapitalquote der Banken. Vom vorletzten Jahr an hat das chinesische Bankwesen mehrere optimistische Nachrichten veröffentlicht. Weiter wurde verkündet, dass die Reform im Bankwesen durch den Börsengang der Banken, die Rekapitalisierung der Regierung und die Ausgliederung der Forderungsverlust (NPL) bald mit Erfolg beendet sein wird. Der offiziellen Aussage zufolge sei die Quote des nicht werthaltigen Kapitals im chinesischen Banksystem kontinuierlich gesunken. Im 1. Quartal 2002 hat Dai Xianglong mehrmals darauf hingewiesen, dass die faulen Kredite der staatseigenen Kommerzbanken 25,3% der gesamten Kredite einnimmt. Ende August des Jahres gab die Chinesische Bankaufsichtsbehörde bekannt, dass die Durchschnittsquote der faulen Kredite der vier großen Staatsbanken, drei Policy Banken und elf Kommerzbanken in Aktiengesellschaft unter 20% liegt, was sogar von inländischen Forschern als lächerlich abgetan wird.

Der Meinung der chinesischen Experten nach sei die offizielle Statistik über faule Kreditquote nicht plausibel. Als erstes wird das Problemkapital im Wert von 1.588,8 Mrd. $, das bereits in vier große Vermögensverwaltungsgesellschaften transferiert wurde, nicht eingerechnet. Ansonsten müßte die Höhe der faulen Kredite nach der Korrektur bei 35% liegen. Darüber hinaus haben die chinesischen Banken die internationale übliche Regelung „Fünfrangige Klassifizierung„nicht angewendet, somit ist die Quote des Problemkapitals nach chinesischer Rechnungsweise relativ niedrig.

Was die Meinungen des internationalen Finanzkreise über die Quote der NPLs der chinesischen Banken anbelangt, zeigt sich die Zahl viel höher als die der offiziellen chinesischen Angaben. Der am 26.11.2003 von Standard & Poors veröffentlichte Bericht, namens „Überblick über das Finanzdienstleistungswesen in China 2004„, war der chinesischen Regierung sehr unangenehm. Gegenüber der erfreulichen Statistik der chinesische Regierung war die Begutachtung von S & P ein richtiger Schlag: Die Kreditglaubwürdigkeit aller viergroßen Staatsbanken einschließlich zwölf Kommerzbanken Chinas wird unterhalb von BBB- klassifiziert; Die Quote des Problemkapitals liegt nach der Schätzung von S & P bei 44% bis 45%, deutlich viel höher im Vergleich zu 22,9% der chinesischen offiziellen Verkündigung.

Die Hauptbegründung von S & P, weshalb die viergroßen Staatsbanken rangniedrig klassifiziert wurden, ist auf die hohe Quote der faulen Kreditegeringe Rentabilität und das mangelhafte Eigenkapital des chinesischen Bankwesens zurückzuführen. Die Bewertung von S & P bez. des Problemkapital der viergroßen Staatsbanken unterscheidet sich deutlich von der chinesischen offiziellen Statistik. Das Problemkapital des chinesischen Finanzsektors nahm Ende 2002 der Kalkulation von „S & P„ zufolge fast die Hälfte des Kreditvolumens ein. Bei der Erklärung zur Problemkapitalquote von 44% bis 45% hat S & P folgende zwei Punkte betont. Erstens, statt der Problemkreditquote wird dabei die Problemkapitalquote als Norm angewendet; zweitens, die Problemkapitalquote von 45% beinhaltet die Problemkredite in Höhe von 1.400 Mrd. $, die 1998 ausgegliedert wurde, nicht.

Diese Quote ist im Vergleich zur Bewertung von S & P 2002 von 50% zwar gesunken und aber immerhin viel höher als 3,27%, die Durchschnittsquote der Problemkredite der zwanzig größten Banken 2000 (die chinesischen Banken und die Banken, die keine Statistik abgegeben haben, sind nicht eingeschlossen); überdies auch viel höher als das Niveau der Banken in Süd- und Ostasien vor der asiatischen Finanzkrise (die Quote übertraf vor der asiatischen Finanzkrise nicht einmal 6% ).

Nach der anderen Schätzung von S & P nehmen die zweifelhafte Kredit des chinesischen Bankensystems und die Kosten der Rekapitalisierung der Banken, die sich auf ca. 650 Mrd. $ belaufen, 40% des Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein.

Die faulen Kredite der viergroßen Banken legen jährlich um 600 Mrd. $ zu.

Ein anderer Grund für die negative Beurteilung des chinesischen Finanzsektors liegt darin, dass der Anteil des Eigenkapitals im Verhältnis zum gesamten Kapital der Banken weit unter der internationalen Norm liegt. Das für internationales Finanzwesen geltende „Baseler Abkommen„ sieht vor: Der Eigenkapitalanteil der Bank jedes Landes darf nicht weniger als 8% des gesamten Bankkapitals sein. Ansonsten wird die Bank als bankrott betrachtet. Jedoch sinkt das Eigenkapital der chinesischen Banken seit der Durchführung der Reform und Öffnungspolitik kontinuierlich. Bis 1995 ist das Eigenkapital aller Banken bis zu 3% des gesamten Kapitals gesunken. In der nachfolgenden Zeit hat die chinesische Regierung zwar immer wieder versucht der Bank mit der Rekapitalisierung zu helfen, um das Problemkapital von den Bank auszugliedern und das Eigenkapital zu vermehren, sind die Versuche letztendlich wegen der langzeitig angehäuften Missstände und weitere Zunahme der neuen Problemkredit nicht zum wirkungsvollen Ergebnis gekommen. Darauf haben die internationalen Finanzexperten schon vor Jahren folgendes hingewiesen: Abgesehen davon, dass die chinesischen Banken zum Staat gehören, sind sie, technisch gesehen, praktisch in Konkurs gegangen.

In den letzten Jahren bemühte sich die chinesische Regierung möglichst vor dem WTO-Beitritt um die Verbesserung des Finanzsystems. Eine der wichtigen Maßnahme ist, das Eigenkapital der Bank zu anzureichern. Seit 1998 hat die chinesische Regierung dreimal das Kapital in großer Summe in die viergroßen Banken: Bank of China, Industrial and Commercial Bank of China (CIBC), Construction Bank of China und Agricultural Bank of China einfließen lassen. U.a. hat 1998 hat der Staat zuerst für die Verbesserung des Eigenkapitalquote 33 Mrd. $ ausgegeben; des weiteren wurden diesen Banken geholfen, 189 Mrd. $ faule Kredite auszugliedern und in vier Vermögensverwaltungsgesellschaften zu transferieren; das dritte Mal war 2003, der Betrag der Rekapitalisierung für die viergroßen Banken sollte angeblich 40 Mrd. $ betragen.

Wegen der Korruption innerhalb der Banken, mangelhaften Aufsicht, Verschwendung sowie anderen systemimmanenten Mißständen ist aber keine Wende bei der o.e. Reform zu erwarten. Das Problemkapital steigt weiter. Nach Analystenschätzung des Finanzkreises hat die neulich gegründete chinesische Bankaufsichtsbehörde mit der Lösung „zwei großer Probleme„ keinen Erfolg erzielt.

Die zwei Probleme beziehen sich auf das Problemkapital von drei Billionen US-$ und die Beseitigung der faulen Kredit, die sich jährlich auf 500 bis 600 Mrd. $ belaufen. Die alten Schulden sind noch nicht beglichen, schon sind neue Schulden entstanden. 1999 betrug das Problemkapital über zwei Billionen $. Im selben Jahr hat die Regierung mit der Rekapitalisierung 1.400 Mrd. $ Problemkapital „ausgegliedert„.

Bis zum Jahr 2002 ist aber sage und schreibe schon wieder 1,7 Billionen $ an Problemkapital aufgetaucht. Das von der Regierung eingezahlte Kapital ist wie ein tropfen auf den heißen Stein, er verdunstet sofort. Die Kapitalquelle stammt aus der Bankersparnis der chinesischen Bürger. Das bedeutet, dass die chinesischen Bürger mit ihrem eigenen gesparten Geld die Löcher, die durch die faulen Kredite entstanden waren, gestopft haben. Die faulen Kredite sind völlig durch die Korruption des Banksystems und die gesetz- und vorschriftwidrige Einräumung von Krediten verursacht worden.

Die in letzten Jahr durchgeführte sogenannte „Makrosteuerung und -kontrolle„ gegenüber der „überhitzten Wirtschaft„ zielt in der Tat darauf ab, die Überinvestition in einigen Branchen abzukühlen.

Überhitzung gibt es nur in wenigen Branchen, der Rest befindet sich am Rande der Rezession

Nach der Untersuchung der Chinesischen Zentralbank (Stand: Ende Februar) geht 42% des Investitionskapitals der Banken in die drei großen Branchen Elektrolytaluminium, Stahl und Zement. Die Kreditbelastungsquote der drei Branchen liegt im Durchschnitt bei 45%.

Solche Kredittransaktionen zwischen den drei Branchen und Staatsbanken deuten an, dass die diesmalige Makrosteuerung und -kontrolle neue Forderungsverluste und faule Kredite der Bank herbeiführen werden.

Eigenkapitalbereicherung durch den Börsengang von Bank of China im Ausland

Allgemein gesehen befindet sich der chinesische Finanzsektor in so einem Zustand:

Die neuen Schulden sind entstanden, bevor die alten Schulden noch nicht einmal beglichen sind.

Obwohl die Problemkapitalquote nach der Verkündung der chinesischen Regierung jährlich sukzessiv gesunken sei, kann sie nie über das "Woher" der gesunkenen Quote überzeugend argumentieren. Da die chinesische Regierung gewöhnt ist, die Statistiken zu fälschen, ist die internationale Gesellschaf dem Finanzsektor Chinas nicht optimistisch gesinnt. Er wird als die schwächste Stelle der chinesischen Wirtschaft bezeichnet. Obwohl die Meinungsäußerung der Insider in China streng unter staatlicher Kontrolle steht, haben manche Experten ihren Zweifel über den Finanzzustand doch oft zum Ausdruck gebracht. Schon im vorletzten Jahr war jemand der Meinung, dass die Aussage der Reduzierung der faulen Kredit der viergroßen Banken nicht wahrheitsgetreu ist. In der Sitzung des Zentralkomitees der KP Chinas über das Budget 2003 gestand die Regierung offiziell, dass die faulen Kredite weiter anwachsen, obwohl die alten faulen Kredit beseitigt wurden

Wegen des Eigenkapitalmangels sind die vier großen Banken bei der Erhöhung des Kapitals ganz von Außen abhängig. Bei diesem Punkt vertreten die chinesischen Experten dieselbe Meinung. Wie oben erklärt, hat die Regierung mehrmals - jedoch immer vergebens - bei der Rekapitalisierung geholfen. Außerdem steht der Finanzhaushalt der Zentralregierung wegen stiller Lasten selber unter starkem Druck. Gemäß der Schätzung von Nicolas Lardy vom Forschungsinstituts Brookings in Washington zum Finanzstatus der chinesischen Regierung nehmen die Haushaltsschulden in der Tabelle der Haushaltsbilanz 20% des Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein. Dies beinhaltet die Staatsanleihe und Kredite der Staatsbanken, die von der Regierung zwanghaft zur Unterstützung nicht kommerzieller Zwecke eingesetzt wurde. Dazu zählt noch Forderungsverluste (NPL) der Staatsbanken. Die von der chinesischen Regierung zugegebene Summe der zweifelhafte Kredite und Forderungsverlust beläuft sich auf 1.200 Mrd. RMB, 15% des Bruttoinlandsprodukts. Lardy schätzte, dass die tatsächliche Summe der zweifelhaften Kredit und Forderungsverlust doppelt so viel als die von der chinesischen Regierung zugegebene Zahl sein sollte.

Zu den Haushaltsschulden gehören noch die in Zukunft fälligen Renten, da die Rente der städtischen Beschäftigten nicht mehr vom Staatsbetrieb sondern von der Regierung ausgezahlt wird. Die durch Rentenauszahlung verursachten Schulden entsprechen 50% des Bruttoinlandsprodukts. Wenn das alles zusammengerechnet wird, sind die Haushaltsschulden der chinesischen Regierung ungefähr so hoch wie das gesamte Volumen des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Bei diesem Finanzdesaster ist klar, dass die weitere Rekapitalisierung durch die Regierung für die Staatsbanken kaum zu erwarten ist.

Kein Ausweg durch Geld von der Börse

Es gäbe einen anderen Weg, um Kapital aufzutreiben, nämlich den Börsenmarkt im Inland. Leider ist die Kapazität des inländischen Kapitalmarkts zu klein, außerdem besteht im chinesischen Börsenmarkt wegen der Überspekulation und dauernder Betrugsaffären kein großes Potential mehr, die Börsen haben weltweit die schlechteste Performance. Es ist nur der letzte und einzige Ausweg übriggeblieben:

Ausländer müssen ran

Anlocken strategischer Investoren vom Ausland. Das ist die einzige Hoffnung der chinesischen Regierung, um von der Finanzkrise wegzukommen. In der Vergangenheit hat China nach der sogenannten „Marktwirtschaftsstellung„ gestrebt. Wenn China die Stellung erworben hätte, könnte die chinesische Regierung für Vertrauenswürdigkeit der viergroßen Banken garantieren, damit die Banken an die Börse an Wall Street gehen und das finanzielle Risiko aufs Ausland abwälzen können. Ausländer sind im Moment ganz wild darauf, einen Fuß in die Tür nach China zu bekommen.

Wenn der chinesische Finanzsektor massenhafte Börsengänge im Ausland realisieren will, sind hier noch drei Voraussetzungen zu erwähnen: erstens, im Ausland ist man überhaupt nicht wirklich über den Zustand des chinesischen Finanzsystems informiert. Es sieht so aus, dass diese Voraussetzungen nicht vorhanden sind; zweitens, die Entscheidungsträger für die Genehmigung des Börsengangs der chinesischen Banken im Ausland (besonders an Wall Street) haben bezüglich des Zustands des chinesischen Finanzsystems andere Einschätzung als die meisten Experten; drittens, selbst wenn man im Ausland über das Risiko des chinesischen Finanzsystems informiert ist, ist er auch bereit, sich aufs Risiko einzulassen?
2143 Seitenaufrufe
    Druckansicht

Weitere Artikel zu diesen Thema
13.02.2008 Ein Nachruf
25.07.2005 Hans Bruder, der Chef des Messebauspezialisten Octanorm
20.07.2005 Wissenschaft als Religion oder Peakoil goes Mainstream

16.07.2005 China überschwemmt Italien mit Tomaten
06.07.2005 Zahl des Tages
23.06.2005 30 neue Millionäre
21.06.2005 Zwei israelische Geschäftsleute in Shanghai entführt.
15.06.2005 Chinas "Exportwunder"
14.06.2005 Deutsches Geld in alle Welt


Alle Artikel in dieser Rubrik anzeigen


     

Erstellt 2003   http://www.china-intern.de