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Chinas "Exportwunder"

[15.06.2005] Wenn es darum geht, die Gründe für das „Exportwunder„ Chinas zu nennen, fallen natürlich sofort Billiglöhne und Millionenfache Sklavenarbeit ein. Das weiß mittlerweile wohl die ganze Welt. Jedoch gibt es einen anderen, eigentlich wirklich entscheidenden Grund, der bisher im Westen nur von einigen Experten in aller Deutlichkeit wahrgenommen wurde. Ausgangspunkt ist folgende einfache Frage:

Warum fallen die Preise für Produkte „Made in China„, obwohl doch die Rohstoffe in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind? Da Chinas Währung an den Dollar gekoppelt ist, ist China davon mehr betroffen als beispielsweise der Euroraum. Warum ist das Angebot an Waren aus China viel höher als die Nachfrage? Warum laufen die Geschäfte ausländischer Firmen in China immer schlechter?

Mr. Wang aus Taiwan und ehemaliger Student der Taiwan Donghai University, und schon lange im Chinageschäft, beleuchtete jetzt auf einer Veranstaltung der Universität das Geheimnis etwas näher, das ihm Kader der KP anvertrauten. Es ist ganz einfach und gegenüber ausländischen Mitbewerbern unschlagbar:

Kein Bedarf an Investitionen.

Wenn z.B. ein Produkt 10 RMB Produktionskosten hat, sollte es für 12 RMB verkauft werden, oder Minimum 10 RMB. Die chinesische Firma xy jedoch verkauft es für nur 6 RMB.

Warum? Die Firmen brauchen kein Eigenkapital. Alles Kapital kommt von den staatseigenen Banken. Die Firmen haben Einkommen, solange sie irgendwas verkaufen können. Von den 6 RMB geht ein Yuan für die Arbeiter drauf, einer für die Bankzinsen, und vier Yuan sind Gewinn. Das ist ihre Geschäftsstrategie.

Die vier Yuan werden unter die Firmenleiter und die Bankmanager verteilt. Dann fliegt man ins Ausland und kauft Immobilien. Diese Immobilien, eher feudale Herrscherhäuser, kann man in vielen Ländern Asiens sowie an der Westküste der USA oder Kanadas oder auf Hawaii bestaunen. Das ist die übliche Vorgehensweise. Wissen diese Geschäftsleute nicht, dass dieses System nicht gut gehen kann und ihre Firmen jederzeit zusammenbrechen können? Natürlich wissen sie es. Ein Kader einer Firma sagt zu Wang: „ Mein Flugticket in den Westen habe ich immer einstecken. Das gleiche gilt für meine Frau und die Kinder. Ich kann das Land jederzeit verlassen.„ Das ist das Betriebsgeheimnis der chinesischen Firmen.

Seit ein bis zwei Jahren drängt die USA, und moderat - man will ja die besten Freunde nicht verärgern - auch die EU, darauf, dass China den RMB Wechselkurs freigibt oder zumindest etwas anhebt. Spekulanten warten schon darauf und haben Milliarden USD in China geparkt, um für das "Ereignis" gewappnet zu sein.

Natürlich weigert sich China beharrlich dem zu folgen, und das aus gutem Grund. Täte China dies nämlich, verlöre es den wichtigsten Exportvorteil, denn andere Länder Südostasiens oder Indien haben vergleichbar niedrige Löhne. Wenn Chinas Firmen aber nur etwas weniger guten Absatz machen, haben sie keine Geldreserven mehr um Löhne oder Bankzinsen zu bezahlen und müssen sofort bankrott gehen.

Natürlich wissen die Unternehmer und Anteilseigner der Firmen, meistens gleichzusetzen mit irgendwelchen Funktionären der KP, um diese Situation. Deshalb haben sie bereits all ihr Geld aus China herausgebracht und das Flugticket immer in der Tasche. So glauben sie dem unausweichlichen Bankrott entgehen zu können. Warum sollten sie auch so dumm sein, das Geld auf chinesische Banken zu bringen, sie wissen ja am besten,was die Banken damit anstellen...Und die "Experten" im Westen machen glauben, China würde mal so eben den Yuan völlig freigeben.
So ist es kein Wunder, warum Chinas Banken 50 % faule Kredite mit sich herumschleppen.( Mittlerweile dürften es wesentlich mehr sein ) Das ist die Wahrheit hinter Chinas „Exportboom„.
Als nach der Wende 89 Wirtschaftsexperten die Wirtschaft der DDR untersuchten, waren sie oftmals fassungslos, konnte sich doch kaum jemand die wirkliche Lage vorstellen. Politiker sagten fast unisono, man hätte es ja nicht gewußt wie es wirklich um die DDR-Wirtschaft steht etc. ... Die DDR wirtschaftete ebenfalls mit Exportdumping, was auf Kosten ihrer Volkswirtschaft ging. Nur war der Export für die DDR weit weniger wichtig, als es bei China der Fall ist. Und im Falle Chinas kann diesmal niemand behaupten, er habe es nicht gewußt. Nur diesmal wird es niemand mehr geben, der nach dem Zusammenbruch des dortigen Systems die jetzt noch bestehenden schwarzen Löcher in Chinas Wirtschaft rückwirkend untersucht. Das wird dann auch nicht mehr nötig sein.
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