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30 neue Millionäre

[23.06.2005] Wie ein Großteil von Chinas „Wachstum„ zustandekommt, haben wir in vielen Artikeln beschrieben. Natürlich geistert diese Illusion nach wie vor in den deutschen Medien herum, Totgesagte leben länger, wie Genosse Erich H. kurz vor seinem Exitus - in seinem Fall nicht ganz treffend - bemerkte. Ein unglaubliches und doch alltägliches

Beispiel für den Wahnsinn der chinesischen Statistiken liefert das Dorf Santai in der Provinz Hubei. Da es die Verantwortlichen aber dort ein bißchen übertrieben, kam der Plot heraus.

Dieses Dorf erwirtschaftete im letzten Jahr 80 Mill. Yuan Einkommen aus der Privatwirtschaft, aber die lokalen Kader gaben eine Zahl von sage und schreibe 1,09 Mrd. Yuan als Einkommen aus der Privatwirtschaft an. Die wirkliche Zahl wurde um 900 Mill. Yuan erhöht und dadurch gab es im Dorf plötzlich 30 Yuan-Millionäre, 25 mehr als vorher!

Das Dorf hat ca. 1800 Einwohner und keinerlei Industrie. 90 Prozent der Bewohner leben von der Subsistenzwirtschaft mit 0,08 ha. bewirtschafteter Fläche im Durchschnitt.
Das Dorf verfügte also plötzlich über besagte 30 Millionäre mit Umsätzen von mindestens je 100 Mill. Yuan...
Die aufgeplusterte Zahl wurde dann im jüngsten „National Economy Survey„ veröffentlicht, ging also schön in die Zahlen des chinesischen Wirtschafts- und Millionärswachstums ein...

Was war vorausgegangen?

Im Oktober 2004 nach der Veröffentlichung einer anderen Statistik fanden Beamte der Stadt Maifang intern heraus, dass also die Einkommen der Privatunternehmer bei 80 Mill. Yuan liegen. Aber der Zuständige in besagten Statistikbüro fand, die Zahlen „dürften nicht die wahre Situation wiedergeben und müssten an die veröffentliche Statistik angeglichen werden." Er sagte es den Stadtoberen, die sofort einverstanden waren, und meinten, man müsse nach dem fehlenden Einkommen "suchen" und den Fehlbetrag anpassen.
Die dem Dorf „zugewiesene„ Zahl an Gesamteinkommen müsste, wenn man sie hochrechnet, nunmehr 68,2 Milliarden Yuan sein, fast 100 mal mehr als die wirkliche Zahl. Also muß das fehlende Geld logischerweise von Privatunternehmern kommen.

Gesagt, getan, Kader Yang Zhenlong vom für den Ort zuständigen „Economy Survey Office„ hatte keine andere Wahl, als zu den bestehenden fünf Privatgeschäftsleuten 25 nicht existente in den Bericht aufzunehmen, um den Bericht wunschgemäß anfertigen zu können. In der Phantasieliste der neuen Millionäre fand sich auch ein gewisser „Ouyang Shubao„, was man mit „ich will eine falsche Angabe machen„ übersetzen könnte. Dieser Sarkasmus war der einzige Weg für Yang Zhelong, seinen Ärger über die Fälschungen zu zeigen. Dieses Phantom Ouyang Shubao hatte einen Grundbesitz im Wert von 3 Mill. Yuan und 25 Angestellte auf der Liste. Yang entschloss sich kurz danach, sein Wissen an das nationale Statistikbüro weiterzugeben, weswegen der Besuch der Kommission im Januar zustande kam..Die Zeitung Nanfang Zhoumo berichtete, dass Song Dejia, der verantwortliche Leiter des nationalen Statistikbüros und seine Beamten als Untersuchungskommission das zur Stadt Maiwang gehörende Dorf am 25 Jan. dieses Jahres besuchten um nach dem Rechten zu schauen. Der Fall wurde als besonders schwerer Betrugsfall angesehen und bekannt.
Obwohl sich die wirtschaftliche Lage des Dorfes in den letzten Jahren verschlechterte, steigen die Einkommen aus privatem Wirtschaften laut Statistik auf eine Milliarde Yuan. Für örtliche Politiker bleiben nur zwei Wege:
Die alten Lügen durchbrechen oder die alten Lügen mit immer mehr neuen zuzudecken. Wer letzteres nicht macht, riskiert ein jähes Karriereende. Zumal auch die umgebenden Ortschaften ähnlich verfahren. Wer nicht mitmacht, riskiert Konflikte mit eben diesen. ( In die anderen Dörfer traute sich die Untersuchungskommission von Januar aber erst gar nicht )

Aber dem deutschen Publikum wird nach wie vor von gewissen hiesigen Politikern mit Hintergedanken via Fernsehanstalten eingetrichtert, dass China doch so glänzend dastehe, man müsse von China lernen. Nun, dann können wir bei der Statistik anfangen. Dann haben wir nur noch 4 % Arbeitslose, ein erneutes Wirtschaftswunder, Autowunder, Exportwunder, Devisenwunder, Bildungswunder am Schluß dann erleben wir unvermeidlich das blaue Wunder und alles ist wunderbar.

Was sie aber tunlichst nicht erwähnen ist z.B., dass der chinesische Börsenindex vor einigen Wochen unter die psychologisch wichtige 1000er Marke gefallen ist, ein jahrelang währender Absturz nach unten. Seit einigen Wochen tritt nunmehr die KP-Regierung als massiver Aktienkäufer auf, um den Verfall zu kaschieren, der in Asien dennoch bereits heiß diskutiert wird. Nun, genug Dollars haben sie durch ihre Dumpingverkäufe allemal, um dem Untoten namens chinesischer Börse ein bißchen Schminke aufzutragen...
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