Aus
vertrauenswürdiger Quelle erfuhr das TCHRD, daß der Mittlere
Volksgerichtshof des Stadtbezirks Lhasa Bangri Rinpoche im Mai 2001
wegen "Spionage" und "Gefährdung der Staatssicherheit" mit zweijährigem
Hinrichtungsaufschub zum Tode verurteilt hatte. Bangris Rinpoches
Ehefrau Nyima Choedron wurde auf Grund der gleichen Anklagepunkte zu
zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Am 29. Mai 2001 wurden beide in das
im Norden der Stadt Lhasa gelegene Drapchi-Gefängnis überführt und dort
über ein Jahr in Einzelhaft gehalten. Anschließend wurden sie in die
für politische Gefangene bestimmte Einheit Nr. 5 verlegt. 2003 wurde
Bangri Rinpoches aufgeschobenes Todesurteil in eine lebenslange
Gefängnisstrafe umgewandelt. Nyima Choedrons Entlassung ist für das
Jahr 2008 vorgesehen.Nyima Choedron, w., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 10 Jahre Gefängnis
Tashi Tsering, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, Tod durch Selbstmord
Lhakdon, w., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 2 Jahre Gefängnis
Choedon, w., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 2. Jahre Gefängnis
Geleg Nima, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 3 Jahre Umerziehung durch Arbeit
Dechen Choezom, w., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 3 Jahre Gefängnis
Toho, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 2 Jahre Gefängnis
Gadhe Kyap, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 1 ½ Jahre Gefängnis
Shelok, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 2 Jahre Gefängnis
Karma Yeshi, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 3 Jahre Umerziehung durch Arbeit
Thupten Dargyal, m., Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit, 3 Jahre Umerziehung durch Arbeit
Außer Bangri Rinpoche und Nyima Choedron sind alle Genannten inzwischen nach Verbüßung ihrer Strafen entlassen worden.
Drei weitere nahe Verwandte von Bangri Rinpoche waren im Haftzentrum Sangyip inhaftiert, bevor man sie nach Gutsa transferierte. Den vorliegenden Informationen zufolge wurden alle Verhafteten einer Reihe von Verhören unterzogen, bei denen sie wegen ihrer Kontakte zu Bangri Rinpoche befragt wurden. Viele von ihnen wurden auch gefoltert.
Im Anschluß an die Festnahme von Bangri Rinpoche wurde das Gyatso Waisenhaus am 17. September 1999 geschlossen. Das Kinderheim, in dem zu diesem Zeitpunkt 59 mittellose Kinder zwischen 2 Monaten und 12 Jahren lebten, war von Bangri Rinpoche erbaut worden.
Unterdessen kam ans Licht, daß Bangri Rinpoche auf Grund der zahllosen im Gefängnis erlittenen Folterungen seinen Oberkörper nicht mehr bewegen kann und stark abgemagert ist. Des weiteren ist er im Gefängnis an Magengeschwüren und Gelbsucht erkrankt und sein Gesundheitszustand hat sich gravierend verschlechtert.
Das TCHRD ist entsetzt über die Nachricht, daß über Bangri Rinpoche ein Todesurteil verhängt wurde; es bringt seine tiefe Betroffenheit über die häufige der Anwendung der Todesstrafe durch China zum Ausdruck, vor allem über die Anklagekategorien, derentwegen sie verhängt wird. Amnesty International fordert ein Moratorium für die Todesstrafe in China, denn im chinesischen Rechtssystem sind faire Prozesse nicht vorgessehen. Der Umstand, daß das TCHRD erst jetzt von diesem Urteil erfuhr, zeigt wieder einmal, daß es in Tibet keinen freien Informationsfluß gibt und alle Informationen strengstens kontrolliert werden.
Hintergrundinformationen zu Bangri Rinpoche
Jigme Tenzin Nyima (alias Bangri Rinpoche) wurde im Distrikt Nangchen, TAP Kyegudo, Provinz Qinghai, geboren. Er wurde als die Reinkarnation des Bangri Rinpoche aus dem Kloster Bangri erkannt. Bangri Rinpoche engagierte sich sehr für Kinder, insbesondere lagen ihm die Waisen im schulfähigen Alter, die keinen Zugang zur Bildung haben, am Herzen. Sein Mitgefühl und seine Selbstlosigkeit veranlaßten ihn zur Gründung einer Schule für Waisenkinder, die er aus eigenen Mitteln und durch großzügige Spenden finanzierte. Das Gyatso Waisenhaus befand sich im Stadtteil Gyatso in der Nähe des Norbulingka Palastes.
Im Mai 1996 wurden 40 Waisen aus verschiedenen Teilen Tibets in das Waisenhaus aufgenommen. Der Rinpoche trug die Verantwortung für die gesamte Anlage. Seine Frau Nyima Choedon stand ihm bei der Verwaltungsarbeit bei. Die Waisen erhielten Unterricht in Tibetisch, Chinesisch, Englisch und Rechnen. Bis zur Verhaftung von Bangri Rinpoche und Nyima Choedron im August 1999 nahm sich das Gyatso Waisenhaus der Bedürfnisse der Waisen und Straßenkinder an, um die sich sonst niemand kümmerte.
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