Der Vertreter des Dalai Lama in Nepal begab sich am 28. Januar zu
Konsultationen mit der Tibetischen Regierung-im-Exil nach New Delhi,
nachdem sein Büro und das Tibetische Flüchtlings-Wohlfahrtsamt (Tibetan
Refugee Welfare Office = TRWO) am 21. Januar 2005 geschlossen wurden.
Das Distrikt-Verwaltungsamt in Kathmandu begründete die Anordnung zur
Schließung der beiden Büros damit, sie seien nicht offiziell
registriert gewesen und seien in Verletzung des Art. 3 des Gesetzes
2034 des Vereinsrechts betrieben worden. Folglich hätten sie kein
Recht, weiterhin tibetische Flüchtlinge, die im Auffanglager für
tibetische Flüchtlinge (Tibetan Refugee Reception Centre = TRRC)
eintreffen, zu registrieren oder irgendwelche Angelegenheiten, welche
die Tibeter in Nepal im allgemeinen betreffen, zu regeln.
Das TRWO war bis jetzt der Ansprechpartner des UNHCR (UN
Flüchtlingshochkommissariat) in Kathmandu, das vor Ort für die
Koordinierung der Weiterreise der aus Tibet kommenden Flüchtlinge nach
Indien zuständig war. Wie dem UNHCR nahestehende Kreise befürchten,
wird dieses, solange der Status des TRWO ungewiß bleibt, sich in seiner
Arbeit im Tibetischen Flüchtlingslager erheblich behindert sehen.
Dennoch würde das UNHCR den Neuankömmlingen aus Tibet weiterhin Schutz
und Hilfe in Nepal leisten, hieß es. Das UNHCR hat auch Kontakte zu der
nepalesischen Menschenrechts-Gesellschaft aufgenommen. Der Präsident
der „Human Rights Organisation of Nepal“ (HURON), Sudip Pathak, sprach
am 27. Januar beim nepalesischen Innenminister Chandi Prasad Shresta
vor, wobei er sich für die Wiedereröffnung der zwei Büros eingesetzt
haben soll.
Obwohl es seit über vier Jahrzehnten einen Repräsentanten des Dalai
Lama in Kathmandu gibt, war dessen Status, sowie der der übrigen
tibetischen Exil-Organisationen schon immer etwas verschwommen,
hauptsächlich wegen Nepals Bestreben, China nicht vor den Kopf zu
stoßen.
Die zwei jetzt geschlossen Büros waren nicht registriert,
weil weder die demokratische Verfassung von 1990 noch die nepalesischen
Gesetze Bestimmungen über Flüchtlinge enthalten. Deshalb gab es genau
genommen niemals die gesetzlich abgesicherte Möglichkeit für tibetische
Flüchtlinge, Institutionen dieser Art eintragen zu lassen. Trotzdem hat
das UNHCR mit den Büros zusammengearbeitet, und es erwähnt sie ganz
offen in seinen Dokumenten.
Der nepalesische Außenminister Prakash
Sharan Mahat leugnete, daß die Maßnahme auf chinesischen Druck hin
erfolgt sei, doch viele Beobachter in Kathmandu bringen die Schließung
mit der chinesischen Regierung in Verbindung und erinnern daran, daß
die chinesische Botschaft schon mehrmals ihr Mißfallen daran zum
Ausdruck gebracht habe, daß Nepal eine Vertretung des Dalai Lama auf
seinem Territorium dulde. Dadurch daß Kathmandu im Sommer 2004 durch
die maoistischen Guerillas teilweise von der Umwelt abgeschnitten war
und das neue Abfertigungsverfahren für Tibeter auf der Durchreise nach
Indien, ist die Zahl der Tibeter, die im Flüchtlingsauffanglager
versorgt werden, gegenwärtig auf etwa 1.000 gestiegen, womit das TRRC
an Bedeutung gewinnt. Andere Beobachter führen die Sache auf eine
gewisse Unzufriedenheit mit der UNO zurück, die Teile des nepalesischen
Establishments ergriffen hat, da sie Nepal angeblich nicht fair
behandle. Am 24. Januar sprach die UN Hochkommissarin für
Menschenrechte, Louise Arbour, über den Konflikt in Nepal, wobei sie
sowohl die Aufständischen als auch die nepalesische Regierung schwerer
Menschenrechtsverletzungen bezichtigte. Der Bürgerkrieg hat bisher
12.000 Opfer gefordert, zumeist unter der Zivilbevölkerung. Obwohl es
nur sehr wenige seriöse Untersuchungen und keine Verurteilungen wegen
Menschenrechtsverletzungen gab, so betonte sie, operiere keine der
beiden Seiten in einem gesetzlichen Vakuum, denn beide seien
gleichermaßen dem Völkerrecht verpflichtet. Eine UN-Abordnung, die
Fälle von plötzlichem Verschwinden von Personen untersuchte, war im
Dezember in Nepal und wird ihre Resultate im März vorlegen. Schließlich
wurde Kritik laut, daß UN-Agenturen sich bevorzugt mit tibetischen
Flüchtlingen befassen würden, zum Nachteil von Flüchtlingen
nepalesischen Ursprungs aus Bhutan, die gegenwärtig in Ostnepal
untergebracht werden – ein Vorwurf, den das UNHCR entschieden
zurückweist.
Der britische Botschafter in Kathmandu wurde am 27.
Januar bei dem Außenministerium Nepals vorstellig, und ein Sprecher
erklärte, Großbritannien “bedauere das Vorgehen der Regierung”. Auch
der US-Botschafter forderte die nepalesische Regierung auf, ihre
Handlungsweise zu überdenken, und betonte dabei, daß diese sich auf die
amerikanisch-nepalesischen Beziehungen empfindlich auswirken könne.
Eine Option für die Zukunft könnte eine Umbenennung des TRWO sein und
ihm einen legalen Status verleihen, so daß das UNHCR weiterhin in der
Lage wäre, mit seinem ausführenden Partner in Kathmandu
zusammenzuarbeiten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist jedoch noch nicht
absehbar, ob sich eine derartige Lösung für die Vertretung des Dalai
Lama, die auch für die derzeit schätzungsweise 20.000 ständig in Nepal
ansässigen Tibeter eine wichtige Rolle spielt, finden läßt.
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www. tibetinfo.net, 29. Januar 2005