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Aids in China wird zur nationalen Katastrophe


China debattiert erstmals Aids
Peking rechnet mit bis zu elf Millionen Infizierten

Peking - Die KP-Kader wollten gerade aufstehen. Die Fragestunde war beendet. Da meldete sich ein junger Mann lautstark zu Wort. "Ich heiße Song Pengfei. Ich bin 21 Jahre alt und seit sechs Jahren HIV infiziert. Herr Präsident, ab wann sollte Aidsaufklärung in den Schulen beginnen?". Ex-Präsident Bill Clinton reagierte nicht nur mit der Antwort "möglichst früh". Er gratulierte Song für seinen Mut sich zu outen und bat ihn auf das Podium der Pekinger Qinghua-Universität. Dort schüttelte er dem jungen Mann die Hand. Chinas drei Vizeminister für Erziehung, Gesundheit und Familienplanung schlossen sich Clinton an. Das Auditorium klatschte Beifall. Das blieb nicht der einzige Tabubruch. Renommierte in- und ausländische Forscher und Politiker kamen zur großen AIDS-Konferenz, um China aus seiner bisherigen Lethargie zu reißen.

Handlungsbedarf besteht: Für die Pekinger Führung räumte Gesundheitspolitiker Gao Qiang auf dem Wirtschaftsforum "China Buisness Summit" erstmals eine Millionen Aids- Betroffene ein, darunter 160 000 bereits Gestorbene und mindestens 84 0000 Infizierte. Andere halten die Zahlen für noch untertrieben. China drohe gesundheitlich der Megakollaps, warnte Qinghua-Experte Jing Jun. Wenn das Tempo der Ansteckung nicht gebrochen, Unkenntnis und Diskriminierung nicht überwunden werden, steuere das Land auf elf Millionen Aids-Infizierte zu.

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