Wieder einmal macht die bösartige KP antichinesische Umtriebe aus: In Gestalt des deutschen Richterbundes.
Menschenrechtspreis für Zheng Enchong sei „eine reine Erfindung“
| Maria Zheng | 19.07.2006 19:58 |
Bundespräsident Horst Köhler empfängt Frau Shen Ting vor der
Preisverleihung stellvertretend für Rechtsanwalt Zheng Enchong am 9.
Dezember 2005 in Berlin. (Foto: Shen Ting)
Frau Shen Ting, deren Familie Rechtsanwalt Zheng Enchong gerichtlich
vertreten hatte, nahm den Menschenrechtspreis entgegen. Bundespräsident
Köhler (3. v. links), der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Dr.
Arenhoevel (3. v. rechts), und Frau Shen vor der Preisverleihung am 9.
Dezember 2005 in Berlin. (Foto: Shen Ting)
12.
Juli 2006 Shanghai – um 23 Uhr kam der 56-jährige Shanghaier
Rechtsanwalt Zheng Enchong nach zweistündiger Anhörung durch die
Polizei nach Hause. Seine Ehefrau Jiang Meili musste noch zwei Stunden
länger in der Polizeistation bleiben. Ihre Wohnung wurde inzwischen von
der Polizei durchsucht und verwüstet. Akten, Manuskripte, Computer und
etwa 170 Visitenkarten wurden beschlagnahmt. Das ist schon die dritte
„Anhörung“ innerhalb der ersten Wochen nach der Freilassung von Zheng
Enchong im Juni dieses Jahres. Diesmal wurde seine Frau auch nicht
verschont. „Sie möchten Enchongs Mund zuhalten“ so die Ehefrau Jiang
Meili.
Das drei Jahre währende schwere Leben im Gefängnis
konnte den Mut und den Willen des Rechtsanwalts, sich für
Menschenrechte in China einzusetzen, nicht brechen. Zwar wurden ihm
nach der Freilassung weiterhin für ein Jahr die politischen Rechte
entzogen, schweigen möchte er jedoch nicht. „Ich habe vieles zu sagen“
so der mutige Rechtsanwalt beim Interview mit der Zeitung The Epoch
Times gleich nach seiner Freilassung.
Vor drei Jahren
wurde Enchong kurz nach dem Haftantritt des Immobilienhändlers Zhou
Zhengyi festgenommen und anschließend wegen „Preisgabe von
Staatsgeheimnissen an ausländische Stellen“ zu drei Jahren Haft
verurteilt. Der Immobilienhändler Zhou Zhengyi, der reichste Mann in
Shanghai, wurde im Juni 2003 von Zheng Enchong im Namen der Familien
verklagt, die wegen Neubauten zu Umsiedlungen gezwungen waren. Dieser
Fall war politisch sehr heikel, weil mehrere „sensible“ Personen und
hohe Funktionäre betroffen waren, wie der ehemalige Shanghaier
KP-Vorsitzende Huang Ju (seit 2002 ist er Mitglied des Politbüros) und
der gegenwärtige KP-Vorsitzende von Shanghai Chen Liangyu. Gegenüber
den Medien entlarvte Enchong viele Details über Korruption im Umfeld
des Falles Zhou Zhengyi.
Am 10. Juli forderte er in einem
offenen Brief an Chinas Präsidenten Hu Jingtao und Ministerpräsident
Wen Jiabao die chinesische Regierung auf, Zhou Zhengyi nach Hongkong
auszuliefern, weil er dort vor Gericht gestellt werden sollte. Zhou
Zhengyis Ehefrau wurde schon vom Gericht in Hongkong zu einer
Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zhou wird von der
Hongkonger Polizei per Fahndung gesucht.
„Die Polizisten
waren oberflächlich sehr nett, in der Tat versuchten sie uns zu
bedrohen und zu verlocken. Wir wurden besonders davor gewarnt, den
jetzigen KP-Vorsitzenden von Shanghai, Chen Liangyu, zu kritisieren.
Kritik an Huang Ju wurde aber geduldet.“ erklärte Jiang Meili, Enchongs
Ehefrau, letzte Woche gegenüber der Zeitung The Epoch Times. Laut
Informationen hat das Politbüromitglied Huang Ju in dem Machtkampf
inzwischen verloren. Huang ist einer der Vertrauten des ehemaligen
Präsidenten Jiang Zemin.
Der Deutsche Richterbund – eine Anti-China-Organisation Als
Rechtsanwalt hatte Enchong innerhalb von zehn Jahren über 500 Familien
vertreten, die im Zuge des Aufbaus des modernen Shanghai zur Umsiedlung
genötigt wurden. Sein Mut und berufliches Ethos stehen bei seinen
Kollegen in Deutschland in hohem Ansehen. Er erhielt im Dezember 2005
den Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes. In China verlor er
aber wegen seines Einsatzes für die Gerechtigkeit seinen Anwaltstitel
und schließlich auch drei Jahre seiner Freiheit. Im Vorfeld des
Urteilsspruches wurde auch noch öffentlich ein schlechtes Image
aufgebaut. In der Propaganda wurde er als ein „gefälschter Anwalt“ und
„Betrüger“ gebrandmarkt.
Die Verleihung des
Menschenrechtspreises des Deutschen Richterbundes im Dezember 2005 an
Zhen Enchong hat Chinas Regime offensichtlich sehr verärgert. Die
chinesische Botschaft in Berlin hatte auch versucht, in Berlin auf den
Deutschen Richterbund Druck auszuüben. Der Ehefrau des Anwalts wurde
außerdem die Ausreise aus China zur Entgegennahme des Preises
verweigert. Diese Aufgabe übernahm Frau Shen Ting aus Hongkong, die
Angehörige einer Familie, die Zheng Enchong als Anwalt vertreten hatte.
Frau Shen Ting wurde im Vorfeld der Preisverleihung in Berlin vom
deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler empfangen.
„Ich
erfuhr von der Ehre des Menschenrechtspreises erst am 15. April 2006
durch einen Brief meiner Frau. Eine Woche vor meiner Freilassung wurde
ich mehrmals von Regierungsfunktionären unter Drohungen aufgefordert,
auf diesen Preis zu verzichten. Als ich sie fragte, ob dieser Preis
gegen die Charta der Vereinten Nationen oder die chinesische Verfassung
verstoße, konnten sie mir keine Antwort geben“ schrieb Zheng Enchong am
16. Juni 2006 an den Bundespräsidenten Köhler, die Bundeskanzlerin
Merkel sowie den Deutschen Richterbund.
In einer neuen
Runde von Propaganda gegen den Rechtsanwalt wurde der
Menschenrechtspreis als „eine reine Erfindung“ bezeichnet. Der Empfang
von Enchongs Mandantin Frau Sheng Ting sei auch erdichtet und der
„sogenannte“ Deutsche Richterbund nur eine kleine
Nichtregierungsorganisation, sie sei gegen China gerichtet. Das wurde
in der Parteisitzung zur „Bewahrung der Fortschrittlichkeit der Partei“
in Shanghai im Video gezeigt, so bestätigte die Ehefrau Jiang Meili.
„Es
ist so unerfassbar, dass das KP-Regime den Deutschen Richterbund als
„Anti-China-Organisation“ bezeichnet. Als letztes Jahr im November der
KP-Vorsitzende Chinas Hu Jintao dem deutschen Bundespräsidenten Köhler
die Hand schüttelte, da war Deutschland noch ein Freund Chinas. Einen
Monat später ist man schon gegen China, nur weil man den Preis an
Enchong verliehen hat? Ich fürchte, das gibt sogar einen diplomatischen
Konflikt.“ äußerte sich Sheng Ting gegenüber der Zeitung The Epoch
Times.
„Die neue Verleumdungsflut zeigt die Angst des
Regimes vor seiner herausragenden Persönlichkeit und seinem dadurch
entstehenden Einfluss. Sie haben Angst, dass Enchong ein zweiter ‚
Gao Zhisheng’ werden könnte.“ so Frau Sheng Ting.