Die Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Louise Arbour, hat am 27. März ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, Tibet zu besuchen, um sich ein Bild der tatsächlichen Situation in Tibet machen zu können.Die Antwort der chinesischen Regierung erfolgte erst diese Woche dahingehend, daß ein Besuch zur jetzigen Zeit nicht möglich wäre. Ähnlich erging es einer Gruppe chinesischer Anwälte, die ihren dringenden Wunsch zum Ausdruck brachten, die tibetischen Protestteilnehmer, welche aufgrund haltloser Anschuldigungen verhaftet wurden, vor Gericht zu vertreten. Die chinesische Regierung wies sie nicht nur ab und beschränkte ihren Zugang nach Tibet, sondern warnte sie obendrein, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas einzumischen.
Die obigen Ereignisse zeigen mit aller Deutlichkeit, wie sehr die chinesische Regierung die Menschenrechte in Tibet mißachtet und darüber hinaus, daß sie die tatsächliche Lage innerhalb Tibets gegenüber der Außenwelt zu verheimlichen sucht. Hier werden nicht nur Menschen ihre Menschenrechte vorenthalten, auch Rechtsanwälten wird ihr Recht, wie es das Gesetz vorsieht, Rechtsbeistand zu leisten, verweigert - in diesem Fall sind die tibetischen Gefangenen die unschuldigen Opfer.
Der Widerstandsgeist und die Entschlossenheit der Tibeter, sowohl innerhalb als auch außerhalb Tibets, sind kraftvoller denn je, und gerade weil der Kampf der Tibeter auf Gerechtigkeit und Wahrheit beruht, versucht die chinesische Regierung auf jede nur mögliche Weise, die Fakten zu verstecken. Inzwischen haben die Tibeter nicht nur die Unterstützung von Millionen von Menschen, die Wahrheit und Frieden schätzen, gewonnen, sondern auch die von zahlreichen religiösen Führern, international bekannten Persönlichkeiten, Politikern der verschiedensten Länder, Sprechern und Repräsentanten von Parlamenten; sie alle versuchen Druck auf China auszuüben. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Wochen sowohl im Europäischen Parlament als auch im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten Resolutionen zugunsten Tibets verabschiedet.
Die chinesische Regierung entsendet immer mehr Militäreinheiten in alle Teile Tibets und hört nicht auf, die Bevölkerung in allen Bereichen zu unterdrücken. Durch die sogenannte patriotische Umerziehungskampagne zwingt sie die Tibeter dazu, sich von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama zu distanzieren und Sätze wie "Wir sind gegen die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet" zu unterschreiben. Selbst unter solch repressiven politischen Bedingungen, erscheinen in etlichen Teilen Tibets weiterhin Plakate auf denen steht: "In Sorge und Glück stehen wir zusammen".
Im Namen aller Tibeter grüßen wir und danken allen, die sich täglich weltweit versammelt haben, um gemeinsam Gebete an Dolma [Tara] zu rezitieren, damit eine schnelle und friedvolle Lösung für die gerechte Sache Tibets gefunden werden möge. Wir fordern:
1) unverzüglich unabhängige Untersuchungskommissionen nach Tibet zu schicken;
2) der freien Presse unverzüglich Zugang nach ganz Tibet zu ermöglichen;
3) den brutalen Morden in ganz Tibet unverzüglich ein Ende zu setzen;
4) für die sofortige Freilassung der verhafteten Tibeter zu sorgen;
5) die medizinische Versorgung verletzter Tibeter zu ermöglichen;
6) die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit der Menschen und ihren Zugang zu
Am 9. April taten wieder einige Mönche den kühnen Schritt, ausländischen Medienvertretern, die auf einem vom Staat organisierten Besuch im Kloster Labrang waren, die Wahrheit über ihre Situation zu sagen. AFP, Reuters und andere Agenturen berichteten darüber. Die Journalisten waren bereits auf dem Weg nach Xiahe, als laut wurde, daß ein Besuch stattfinden würde. Unter den Reportern befanden sich u.a. Caroline Puel von Le Point Magazin, Frankreich, Johnny Erling von Die Welt und die südkoreanische Yonhpa Nachrichtenagentur.
Siehe auch:Bei BBC gibt es ein Video über den Vorfall:Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P., Phone/Fax: +91 1892 23363 / 25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.orgPressemitteilung, 9. April 2008
Gefolterter Mönch in unstabilem psychischen Zustand freigelassenEtwa fünfzehn tibetische Mönche sprachen heute trotz des Verbotes kurz und knapp eine Gruppe ausländischer Medienvertreter an, die sich auf einer von der Regierung organisierten Reise gegenwärtig im Bezirk Sangchu (Chin. Xiahe) in der Provinz Gansu aufhält.Die Mönche wiesen auf den Ernst der Situation in der Region hin und taten den Medienvertretern in deutlichen Worten die Menschenrechtsverletzungen durch die Behörden in ihrer Gegend kund. Nach einem von Reuters veröffentlichten Bericht (Protestierende Mönche stürzen sich auf eine Mediengruppe in Westchina, Von Lucy Hornby), "sagten sie, daß noch acht Mönche von den Behörden festgehalten würden, aber sie konnten nicht angeben, ob sie von Labrang oder woanders herkamen …". Das TCHRD hatte bereits früher sieben Namen von am 1. April 2008 verhafteten Mönchen bestätigt erhalten, die aus dem Kloster Labrang im Bezirk Sangchu, "TAP" Kanlho in der Provinz Gansu stammen. Bei den Festgenommenen handelt es sich um: 1) Gendun Gyatso, 30 Jahre, 2) Gyurmey, 40 Jahre, 3) Gelek Gyurmey, 30Jahre, 4) Sangay, 30 Jahre, 5) Samten, 32 Jahre, 6) Yonten, 34 Jahre, und 7) Thabkhey, 30 Jahre alt.
Es war zu erfahren, daß sich Thabkhey, der nach einigen Tagen Haft entlassen wurde, in einem psychisch instabilen Zustand befindet und am ganzen Körper mit blauen Flecken übersät ist, die von heftigen Schlägen herrühren. Das zeigt deutlich, daß der Mönch im Polizeigewahrsam brutal gefoltert wurde. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, daß die anderen Mönche sich noch in Haft befinden, und die Behörden Thabkhey nur freiließen, um die Verantwortung für seinen gegenwärtigen Zustand nicht übernehmen zu müssen. Es ist bei den Verwaltungen der chinesischen Gefängnisse in Tibet gängige Praxis, tibetische Untersuchungshäftlinge und Häftlinge zu entlassen, wenn sie in unstabilem Zustand oder dem Tode nahe sind.
Das TCHRD fordert die chinesischen Behörden auf, Folter und unmenschlicher Behandlung von friedlichen tibetischen Demonstranten ein Ende zu setzen, die nichts weiter taten, als ihr fundamentales Menschenrecht auf Meinungsfreiheit in Anspruch zu nehmen, das im Völkerrecht und in der Verfassung der Volksrepublik China verankert ist.
Übersetzung: Angelika Mensching
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