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30 neue Millionäre
Wie ein Großteil von Chinas „Wachstum„ zustandekommt, haben wir in
vielen Artikeln beschrieben. Natürlich geistert diese Illusion nach wie
vor in den deutschen Medien herum, Totgesagte leben länger, wie Genosse
Erich H. kurz vor seinem Exitus - in seinem Fall nicht ganz treffend -
bemerkte. Ein unglaubliches und doch alltägliches
Beispiel für den Wahnsinn der chinesischen Statistiken liefert das Dorf
Santai in der Provinz Hubei. Da es die Verantwortlichen aber dort ein
bißchen übertrieben, kam der Plot heraus.
Dieses
Dorf erwirtschaftete im letzten Jahr 80 Mill. Yuan Einkommen aus der
Privatwirtschaft, aber die lokalen Kader gaben eine Zahl von sage und
schreibe 1,09 Mrd. Yuan als Einkommen aus der Privatwirtschaft an. Die
wirkliche Zahl wurde um 900 Mill. Yuan erhöht und dadurch gab es im
Dorf plötzlich 30 Yuan-Millionäre, 25 mehr als vorher!
Das Dorf
hat ca. 1800 Einwohner und keinerlei Industrie. 90 Prozent der Bewohner
leben von der Subsistenzwirtschaft mit 0,08 ha. bewirtschafteter Fläche
im Durchschnitt.
Das Dorf verfügte also plötzlich über besagte 30 Millionäre mit Umsätzen von mindestens je 100 Mill. Yuan...
Die
aufgeplusterte Zahl wurde dann im jüngsten „National Economy Survey„
veröffentlicht, ging also schön in die Zahlen des chinesischen
Wirtschafts- und Millionärswachstums ein...
Was war vorausgegangen?
Im
Oktober 2004 nach der Veröffentlichung einer anderen Statistik fanden
Beamte der Stadt Maifang intern heraus, dass also die Einkommen der
Privatunternehmer bei 80 Mill. Yuan liegen. Aber der Zuständige in
besagten Statistikbüro fand, die Zahlen „dürften nicht die wahre
Situation wiedergeben und müssten an die veröffentliche Statistik
angeglichen werden." Er sagte es den Stadtoberen, die sofort
einverstanden waren, und meinten, man müsse nach dem fehlenden
Einkommen "suchen" und den Fehlbetrag anpassen.
Die dem Dorf
„zugewiesene„ Zahl an Gesamteinkommen müsste, wenn man sie hochrechnet,
nunmehr 68,2 Milliarden Yuan sein, fast 100 mal mehr als die wirkliche
Zahl. Also muß das fehlende Geld logischerweise von Privatunternehmern
kommen.
Gesagt, getan, Kader Yang Zhenlong vom für den Ort
zuständigen „Economy Survey Office„ hatte keine andere Wahl, als zu den
bestehenden fünf Privatgeschäftsleuten 25 nicht existente in den
Bericht aufzunehmen, um den Bericht wunschgemäß anfertigen zu können.
In der Phantasieliste der neuen Millionäre fand sich auch ein gewisser
„Ouyang Shubao„, was man mit „ich will eine falsche Angabe machen„
übersetzen könnte. Dieser Sarkasmus war der einzige Weg für Yang
Zhelong, seinen Ärger über die Fälschungen zu zeigen. Dieses Phantom
Ouyang Shubao hatte einen Grundbesitz im Wert von 3 Mill. Yuan und 25
Angestellte auf der Liste. Yang entschloss sich kurz danach, sein
Wissen an das nationale Statistikbüro weiterzugeben, weswegen der
Besuch der Kommission im Januar zustande kam..Die Zeitung Nanfang
Zhoumo berichtete, dass Song Dejia, der verantwortliche Leiter des
nationalen Statistikbüros und seine Beamten als Untersuchungskommission
das zur Stadt Maiwang gehörende Dorf am 25 Jan. dieses Jahres besuchten
um nach dem Rechten zu schauen. Der Fall wurde als besonders schwerer
Betrugsfall angesehen und bekannt.
Obwohl sich die wirtschaftliche
Lage des Dorfes in den letzten Jahren verschlechterte, steigen die
Einkommen aus privatem Wirtschaften laut Statistik auf eine Milliarde
Yuan. Für örtliche Politiker bleiben nur zwei Wege:
Die alten Lügen
durchbrechen oder die alten Lügen mit immer mehr neuen zuzudecken. Wer
letzteres nicht macht, riskiert ein jähes Karriereende. Zumal auch die
umgebenden Ortschaften ähnlich verfahren. Wer nicht mitmacht, riskiert
Konflikte mit eben diesen. ( In die anderen Dörfer traute sich die
Untersuchungskommission von Januar aber erst gar nicht )
Aber
dem deutschen Publikum wird nach wie vor von gewissen hiesigen
Politikern mit Hintergedanken via Fernsehanstalten eingetrichtert, dass
China doch so glänzend dastehe, man müsse von China lernen. Nun, dann
können wir bei der Statistik anfangen. Dann haben wir nur noch 4 %
Arbeitslose, ein erneutes Wirtschaftswunder, Autowunder, Exportwunder,
Devisenwunder, Bildungswunder am Schluß dann erleben wir unvermeidlich
das blaue Wunder und alles ist wunderbar.
Was sie aber tunlichst
nicht erwähnen ist z.B., dass der chinesische Börsenindex vor einigen
Wochen unter die psychologisch wichtige 1000er Marke gefallen ist, ein
jahrelang währender Absturz nach unten. Seit einigen Wochen tritt
nunmehr die KP-Regierung als massiver Aktienkäufer auf, um den Verfall
zu kaschieren, der in Asien dennoch bereits heiß diskutiert wird. Nun,
genug Dollars haben sie durch ihre Dumpingverkäufe allemal, um dem
Untoten namens chinesischer Börse ein bißchen Schminke aufzutragen...
©2005 - China Intern - Info Team